Bad Boys am Mississippi

06 / 2010 von:  Brigitte Kohn
 

Mark twain! – zwei Faden Wassertiefe! Das ist der Ruf der Mississippipiloten im 19. Jahrhundert, wenn sie das Lot ins Wasser senken und feststellen, dass das Gewässer an dieser Stelle schiffbar ist. Samuel Clemens, geboren 1835, vor 100 Jahren gestorben, wählt diesen Ruf als Pseudonym. Niemand in seiner Familie hat ihm die Welt der Literatur nahegebracht. Das Urbild des amerikanischen Autors, aufgewachsen in der verschlafenen Kleinstadt Hannibal, erfindet sich selbst: beflügelt vom Strom, der seine Kindheit verzaubert

Mit neun Jahren schleicht sich Sam an Bord eines Dampfers und fährt unentdeckt 40 Meilen stromabwärts. In Louisiana warten schon die Eltern, außer sich vor Sorge, es setzt Schläge. Die Eltern und der Fluss, das sind Gegenpole. Auf der einen Seite die bürgerliche Behaglichkeit des kleinen Städtchens im Südwesten der USA, in der sogar die schwarzen Sklaven irgendwie zur Familie gehören und jeder ihr Los für gottgewollt hält, so wie es von allen Kanzeln gepredigt wird. Auf der anderen Seite der Fluss, der sich nicht bändigen lässt und in unbekannte Fernen weist. Sams Lebhaftigkeit verträgt sich...

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