Der digitale Pranger

08 / 2012 von:  Bernhard Pörksen und Hanne Detel
 

Manchmal reicht ein einziger Klick, und E-Mails, Fotos, Handyvideos, SMS-Botschaften und Twitter-Meldungen geraten in die falschen Kanäle. So werden innerhalb kürzester Zeit Karrieren zerstört und Schicksale besiegelt. Daten im Netz lassen sich immer leichter durchsuchen, verknüpfen, kopieren und können sich plötzlich in Dokumente der Blamage verwandeln. Längst stehen nicht mehr nur Mächtige und Prominente am Pranger. Auch Ohnmächtige und Unschuldige werden zum Opfer grausamer Spektakel, zu den Hassfiguren eines anonymen Cybermobs.

Es ist ein ganz gewöhnlicher Tag im Leben der Chinesin Wang Qianyuan, Sprachstudentin an der amerikanischen Duke University. Sie ist an diesem 9. April 2008 wie so oft auf dem Weg in die Bibliothek, als sie auf zwei Grüppchen von Demonstranten trifft, die sich anbrüllen. Auf der einen Seite stehen ein paar Dutzend Anhänger der Befreiung Tibets. Sie schwenken tibetische Gebetsfahnen, Transparente mit der Aufschrift „Befreit Tibet!“, sie verteilen im Vorfeld der Olympischen Spiele in China Handzettel. Auf der anderen Seite finden sich etwa 100 chinesische Demonstranten, die sich über diese...

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