Herrmann Hesse - Der Seelenbiograf

09 / 2012 von:  Klaus Brath
 

Er schlitterte von einer Krise in die andere, war zeitlebens auf der Suche nach sich selbst. Als einer der ersten Literaten setzte er sich intensiv – auch als Patient – mit der Tiefenpsychologie auseinander. Sie hinterließ tiefe Spuren in seinem Leben und Werk. Hermann Hesse wurde zum religions- und kulturübergreifenden Mittler zwischen Ost und West, zum Seelenführer ganzer Generationen. Am 9. August 2012 jährt sich der Todestag des weltweit meistgelesenen deutschsprachigen Autors zum 50. Mal.

Uneingeschränkte Anerkennung blieb ihm versagt. Im Gegenteil, bereits 1915 wird der überzeugte Pazifist vom Kölner Tageblatt als „Ein ‚deutscher‘ Dichter“, also mit diskriminierenden Gänsefüßchen, als Vaterlandsverräter angeprangert. Und selbst, als er 1946 den Literaturnobelpreis erhält, diffamieren ihn Kritiker und Künstlerkollegen: „Hesse. Kleiner Mann. Deutsche Innerlichkeit“, schrieb etwa Gottfried Benn in einem Brief und munkelte: „Spezi von Thomas Mann. Daher der Nobelpreis.“ „Teils ausgelacht, teils angespuckt, teils den sentimentalen Leserkreisen überlassen“ – so bilanzierte auch...

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