Die 100-Stunden-Krippe

11 / 2017 von:  Anne-Ev Ustorf
 

In der DDR wuchsen Hunderttausende Babys und Kleinkinder in sogenannten Wochenkrippen auf. Montag früh brachten die Eltern sie in die Krippe und holten sie Freitagnachmittag wieder ab. Was den DDR-Funktionären als Zeichen gelebter Gleichberechtigung galt, hatte für die betroffenen Kinder langfristig verheerende Folgen

Als Alleinerziehende zog Susanne Wagner zwei Söhne groß. Heute ist sie vierfache Oma und hält sich jeden Freitag für ihre Enkelkinder frei. „Die Kleinen sind mir das Wichtigste“, erzählt die 56-Jährige, „ich bin ein totaler Familienmensch.“ Dass sie selbst aber ein DDR-Wochenkrippenkind war, das den größten Teil seiner Säuglings- und Kleinkindzeit fern von der Mutter verbrachte, erfuhr sie erst vor wenigen Jahren. Zwar wusste die geborene Berlinerin, dass ihre alleinerziehende Mutter im Schichtdienst eines Elektroapparate-Werkes in Berlin-Treptow viel arbeiten musste. Doch dass sie mit sechs...

Diesen Artikel:

Aboservice

Jahres-, Studenten- oder Geschenkabo: Sie wählen Ihr Abonnement – wir bieten interessante Prämien! Zum Abo-Shop.

 

 

Neu im Shop

Barbara Sichtermann: Viel zu langsam viel erreicht

Über den Prozess der Emanzipation.
Zu Klampen, Springe 2017, 160 Seiten

18 €inkl. 7% MwSt.