Die Castinggesellschaft

11 / 2010 von:  Bernhard Pörksen, Wolfgang Krischke
 

Fast jede Lebensregung lässt sich heute medial spiegeln. Und eine etwas unheimliche Zahl von Menschen bereitet sich akribisch und mit aller Raffinesse auf den großen Auftritt und den verführerischen Moment des Gesehenwerdens vor – ganz gleich, ob dieser auf der eigenen Homepage oder im Blog stattfindet, kniend vor einem Jurymitglied von RTL, auf dem Weg in das Dschungelcamp, in irgendeinem Big-Brother-Container oder beim Schlagabtausch in einer Talkshow

Wer in der Castinggesellschaft bekannt werden will, der ist existenziell auf die öffentliche Wahrnehmung angewiesen. Sein heißt hier zuerst: medial stattfinden. Und um medial wahrgenommen zu werden, sind Menschen offenbar bereit, Erstaunliches zu tun. Manche knien vor einem Jurymitglied von RTL oder trümmern sich beim Casting eine Minigitarre auf den Schädel. Eine Heidekönigin veröffentlichte einst die Ultraschallfotos ihres noch ungeborenen Kindes und referierte die Details der Zeugung. Ein Politiker (und heutiger Außenminister) tourte mit einem knallgelben Bus durch das Land, malte sich die...

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