Die Kultur des Wegschauens

06 / 2010 von:  Wolfgang Schmidbauer
 

Es ist ein mächtiges menschliches Bedürfnis, sich im Gegenüber zu spiegeln, in ihm das Erwartete zu finden. Ist der andere jedoch anders, fremd, behindert, so tun wir uns schwer mit der Einfühlung. Dann wünschen wir uns die Entsorgung des Störenden. So fördern wir die Kultur des Wegschauens und der Diskriminierung, die wir beklagen

Eine Schlagzeile in der Münchner Abendzeitung: 17-Jährige durch ärztlichen Fehler für immer im Rollstuhl! Menschliche Tragödien locken Käufer solcher Blätter an. Der Leser schaut in ein fremdes Schicksal. Liegt seine Befriedigung im Mitleid? In der Teilhabe? Oder darin, dass er, dass seine Kinder verschont geblieben sind? Macht es dann ein so extremer Einbruch leichter, mit den Behinderungen im eigenen Leben umzugehen?

In mir weckte diese Schlagzeile Erinnerungen an eine Kollegin, die ich durch ihre Ausbildung begleitet habe. Sie litt von Geburt an unter einer Skoliose. Die unschöne, aber...

Diesen Artikel:

Aboservice

Jahres-, Studenten- oder Geschenkabo: Sie wählen Ihr Abonnement – wir bieten interessante Prämien! Zum Abo-Shop.

 

 

Neu im Shop

Wolfgang Schmidbauer: Raubbau an der Seele

Psychogramm einer überforderten Gesellschaft
gebunden, 256 Seiten, oekom Verlag, 2017

22,00 €inkl. 7% MwSt.