Klebrige Liebe, lösender Hass

09 / 2012 von:  Peter Düweke
 

Ambivalente Gefühle erinnern uns daran, dass wir im Grunde Hassliebende sind. Wer das weiß und spürt, erfährt mehr von anderen und sich selbst und lernt besser mit Nähe und Distanz umzugehen.

Auf einer alten Tapetenschicht im Kinderzimmer kam eine krakelige Handschrift zum Vorschein. „Willi ist doof, nein lieb, nein doof, nein lieb, nein doof, nein lieb“, stand da mit Kugelschreiber an die Wand gekritzelt. Das eiernde Urteil hatte ich vielleicht im zweiten oder dritten Schuljahr über meinen Bruder verfasst. Ich erinnere mich, dass ich mir meinen Ärger von der Seele schrieb. Aber ich befand mich in einem Dilemma zwischen Impuls und Kontrolle: Einerseits war ich sauer auf meinen Bruder und musste ihn anprangern. Andererseits befürchtete ich, dass meine Eltern mit mir schimpfen...

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