Therapeutisches Dreiecksverhältnis

07 / 2014 von:  Elisabeth Wellershaus
 

Therapie zu dritt? Am Berliner Behandlungszentrum für Folteropfer ist das Normalität. Therapeuten, die nicht die Sprache ihrer Klienten sprechen, nehmen die Hilfe von Dolmetschern in Anspruch. Ein schwieriges Unterfangen, doch die einzige Chance für hilfesuchende Folteropfer und Kriegsflüchtlinge

Die erste Patientin ist früh dran. Langsam geht sie über den leeren Flur auf den Wasserspender zu. Turnschuhe quietschen auf grauem Linoleum, ansonsten ist es still. Wie in Zeitlupe setzt sie sich mit ihrem Plastikbecher auf einen Stuhl im Gang. Sie holt eine Pillenpackung aus der Handtasche, wirft verstohlen eine Tablette ein. Dann zupft sie ihr Kopftuch zurecht und wartet. Nach einer Weile huschen andere vorbei. Auch sie warten vor verschlossenen Behandlungszimmern, trinken aus Plastikbechern, reden kaum. Erst als ein Mann mit dichtem schwarzem Bart sich neben die Frau setzt, nickt sie ihm...

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