Verliebtheit währt nur ein Jahr

12 / 2005
 

Zuneigung und Verbundenheit in einer Liebesbeziehung können ein Leben lang vorhalten. Das romantische Gefühl überschwänglicher Verliebtheit hingegen ist leider vergänglich und auf das erste Jahr der Zweisamkeit beschränkt.

Zu diesem Ergebnis sind jetzt Wissenschaftler der italienischen Universität von Pavia gekommen. Für den rapiden Verfall der romantischen Liebe nach etwas mehr als einem Jahr machen sie erhöhte Werte von „Neurotrophinen“ verantwortlich. Das sind körpereigene Signalstoffe, die zielgerichtete Verbindungen zwischen Nervenzellen bewirken. Nach Angaben der Forscher sorgen Neurotrophine für die typische Euphorie am Beginn einer Liebesromanze, für schweißnasse Hände und Schmetterlinge im Bauch.

Die Forscher um Emanuele Enzo haben frisch verliebte Frauen und Männer untersucht und sie mit Paaren in mehrjährigen Beziehungen verglichen. Ergebnis: Die Neurotrophin-Werte der Frischverliebten waren deutlich höher. Doch als die Forscher diese Probanden ein Jahr später erneut ins Labor baten, war keine bedeutsame Erhöhung der Neurotrophin-Werte mehr festzustellen. Offensichtlich hatten sich die romantischen Mobilmachungsstoffe im Lauf des zweisamen Alltags nach und nach verflüchtigt und schließlich auf Normalwerte eingependelt.

„Das bedeutet nicht, dass sich diese Menschen nicht mehr liebten, aber es macht deutlich, dass es sich nicht mehr um jenen besonderen Zustand der akuten Liebe handelte“, so Mituntersucher Pierluigi Politi. „Die Beziehung ist offensichtlich stabiler geworden, und die romantische Liebe ist damit zu Ende gegangen. Es scheint, dass biochemische Mechanismen dafür sorgen, dass es zu Stimmungswechseln kommt, wenn sich die Beziehung stabilisiert hat“, erklärt der Forscher.

Dass sich die Neurotrophin-Werte beim Verlieben verändern, hält Andrea Blöchl, Expertin für Neurotrophin-Forschung an der Universität Bochum, für möglich. „Neurotrophine tragen etwa zur Gedächtnisbildung bei“, so Blöchl. „Beim Auf- und auch beim Abbau von neuen Nervennetzen spielen diese Stoffe eine große Rolle.“ Da liegt doch der Schluss nahe: Liebe ist, wenn man sich noch nicht so recht kennt … Quelle: pte.online

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