„Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen“

10 / 2014 von:  Heiko Ernst
 

Faust II, Engelschor

 

Veränderung (1): 

Sie ist die einzige Konstante im Leben des Menschen. Es sind die vielen Unterschiede zwischen Vorher und Nachher, Mehr oder Weniger an Gesundheit, Glück, Erfolg oder Ansehen, die unsere Existenz ausmachen. Die Evolution selbst ist ein gewaltiger, nie endender Veränderungsstrom. Sie verlangt vom Einzelnen, dass er angemessen auf äußere, sich wandelnde Verhältnisse reagiert. Da die Verhältnisse selbst nachweislich immer nur schwer zu ändern sind – und nur in einer großen gemeinsamen Anstrengung –, bleibt die Selbstveränderung. Das gilt heute, im Zeitalter der beschleunigten Moderne, in besonderem Maße. 

Den Druck, zu den fittest zu gehören und das Beste aus sich zu machen, haben viele Menschen verinnerlicht. Sie wollen sich nicht nur verändern, um zu überleben oder mitzuhalten, sondern um sich zu optimieren: Mach mehr aus deinem Typ! Der Wunsch nach Selbsttransformation ist tief in unserer westlichen Kultur verwurzelt, ja er hat bisweilen eine religiöse Dimension. Der Theologe Jürgen Moltmann schreibt in seinem Buch Theologie der Hoffnung: „Der Mensch findet kein Auskommen in sich selbst, sondern ist immer auf dem Weg zu etwas, und er verwirklicht sich im Lichte eines erwarteten, zukünftigen Ganzen.“ 

Der Antrieb zur Selbstveränderung entspringt meist einem Unbehagen: dem Gefühl, hinter den eigenen Ansprüchen, Zielen und Wünschen zurückzubleiben. Und so machen sich Millionen immer wieder daran, etwas zu ändern, etwas Neues zu versuchen, und sie wollen dabei Ängste oder den inneren Schweinehund besiegen. Permanente Selbstoptimierung (neuerdings auch mithilfe digital gestützter Selbstbeobachtungs- und Protokollierungsmethoden wie lifelogging)soll nicht nur mehr Fitness, Leistung, Status oder Lebensgenuss bringen – sie ist fast schon zum Selbstzweck geworden. Aber wirkliche Veränderungen sind meist mühsamer oder riskanter als gedacht, Frustration ist eher die Regel als die Ausnahme. 

Ob die Veränderung darin besteht, ein paar Kilo abzunehmen, oder ob sie auf einen gesünderen Lebensstil, einen beruflichen Neuanfang oder gar auf ein großangelegtes Sich-selbst-neu-Erfinden zielt – bevor wir Fantasie und Willenskraft in eine Selbstverbesserung investieren, sollten wir uns ein paar Fragen stellen: Ist die Veränderung eher etwas, das „man“ von uns erwartet? Welchen Maßstäben oder Ansprüchen wollen wir warum genügen? Und wenn das geklärt ist: Was sind die besten Methoden, sich zu verbessern? Unsere Titelgeschichte (ab Seite 20) zeigt unter anderem, dass wir nicht immer Heroen der Willenskraft sein müssen. In vielen Fällen sind kleine Schritte erfolgreicher als radikale Brüche. 

Veränderung (2):

Sie halten ein Langzeitexperiment zur Selbstveränderung in den Händen. Die Psychologie Heute hat sich seit ihrer Gründung vor genau 40 Jahren immer wieder gewandelt, um ihrer Mission treu zu bleiben: auf der „Höhe der Zeit“ sein, ohne modischen Anpassungszwängen zu verfallen. 1974 begann die Zeitschrift in einem zeittypischen Spannungsfeld zwischen Weltverbesserung und Selbstverwirklichung – und entwickelte sich zum eigentlichen „Zeitgeistmagazin“. Weil sie dem Zeitgeist nicht blind folgte, sondern die richtigen Fragen stellte: Welche Veränderung ist sinnvoll, welche nur einer Mode oder fremden Interessen geschuldet? Wie beeinflussen sich Stil und Substanz? Und welche Rolle spielt dabei die Wissenschaft Psychologie? Lesen Sie dazu den Rückblick auf 40 Jahre Psychologie Heute auf Seite 44!

Veränderung (3):

Ab dieser Ausgabe wird Psychologie Heute etwas teurer:

Der Preis des Einzelheftes steigt von € 6,50 auf € 6,90, das Jahresabonnement kostet ab Oktober dieses Jahres € 76,90 (die Preise aller anderen Abonnementsformen entnehmen Sie bitte dem Impressum auf Seite 17 oder unserer Anzeige auf Seite 50/51).

Diesen Artikel:

Aboservice

Jahres-, Studenten- oder Geschenkabo: Sie wählen Ihr Abonnement – wir bieten interessante Prämien! Zum Abo-Shop.

 

 

Neu im Shop

Das Museum der zerbrochenen Beziehungen

von Olinka Vištica, Dražen Grubišic
Was von der Liebe übrig bleibt - Geschichten und Bilder
Rowohlt, 2018, gebunden, 128 Seiten

15 €inkl. 7% MwSt.