Es sind „Wanderinnen im System“, wie die Mitarbeiter sie nennen. Denn sie wandern hin und her zwischen Ämtern, Unterkünften, Betreuern und Kliniken – aufgegeben von hilflosen Partnern, Verwandten und Freunden, meist ohne Wohnung, oft „austherapiert“, wie die Fachleute sagen.
Fester Stützpunkt zwischen Krankenhausaufenthalten und anderweitigen Unterschlüpfen sind die warmen Räume der Bahnhofsmissionen, in denen es Tee, Brot und ein freundliches Wort, ein wenig Zuwendung gibt. „Seit dem Bettenabbau in den psychiatrischen Kliniken haben wir hier zunehmend mehr psychisch kranke Menschen“, sagt Monika Plank, Ordensschwester der Caritas Socialis und katholische Leiterin der ökumenischen Bahnhofsmission in München.
„Viele Frauen kennen wir schon seit Jahren. Oft fehlt ihnen die Einsicht, dass sie krank sind, und nicht alle können wir motivieren, sich in Behandlung zu begeben. Sie lassen sich immer wieder von Männern ausnützen, vergessen dann auch, Medikamente zu nehmen, verwahrlosen und bekommen erneut Symptome.“
Nachts, wenn die Einsamkeit und Angst vor dem Alleinsein am größten ist, suchen sie in ihrer Not die Bahnhofsmission auf. „Es fehlt an niederschwelligen Betreuungs- und Aufenthaltsräumen“, sagt Schwester Monika. Die Bahnhofsmission sei ja nicht für Dauergäste eingerichtet. Doch die Vermittlung in geeignete Einrichtungen scheitere oft an der Doppeldiagnose psychische Erkrankung und Alkoholabhängigkeit. Krisenstationen für psychisch Kranke nehmen nur Nichtsüchtige auf.
Nicht nur in den Großstädten, auch in den kleineren der derzeit 95 deutschen Bahnhofsmissionen nehmen die Kontakte mit psychisch auffälligen Menschen kontinuierlich zu. Lesen Sie mehr zu diesem Thema in der Dezember-Ausgabe von Psychologie Heute.