Wer seine Muskeln in Betrieb hält, lindert den Schmerz aber nicht nur auf Umwegen, sondern greift ihn nach neuen Erkenntnissen auch ganz direkt an: Ein trainierter Muskel, so Uhlenbruck, sei „immunologisch aktiv“ und wirke Entzündungsprozessen im Körper entgegen. Wird ein Muskel beansprucht, so produziert er Myokine. Diese Botenstoffe sind Gegenspieler der entzündungsfördernden Adipokine, die vom Fettgewebe produziert werden. Wer Sport treibt, wirkt demnach nicht nur dem Übergewicht, sondern auch dessen negativen molekularen Begleiterscheinungen entgegen – sofern man es nicht übertreibt. „Man sollte Sport treiben, aber nicht vom Sport getrieben werden“, warnt Uhlenbruck.
„Powertraining“ sei kontraproduktiv. Aber auch die von den Kassen favorisierten „Rückenschulen“ entpuppten sich in neuen Studien nicht als sonderlich effektiv gegen die Schmerzen im Kreuz. Als effizienteste Schmerzbremser haben sich vielmehr ganz gewöhnliche Alltagstätigkeiten erwiesen: Gartenarbeit, strammes Spazierengehen, Treppensteigen, Fahrradfahren, Tanzen – auch Joggen ohne übertriebenen Zeitehrgeiz.
Zwei bis vier Stunden Bewegung pro Woche bei einem Kalorienverbrauch von 2000 bis 2500 kcal sind gerade richtig, wie Uhlenbrucks eigene Forschung ergeben hat. Auf diesem gemäßigten Beanspruchungsniveau sei die antientzündliche Wirkung der Beschäftigungstherapie für den Muskel optimal – treibt man hingegen zuviel des Guten, kehrt sich der Effekt um und Entzündungsreaktionen werden angeheizt statt unterbunden.
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