www.psychologie-heute.de | Gesundheit & Psyche in Heft 6/08
GESUNDHEIT & PSYCHE HEFT 6/08

Tut’s noch weh?

Der Deutsche Schmerztag präsentierte neue Konzepte gegen Rückenschmerzen

„Aus der Sicht vom Rücken kann Rücksicht nicht beglücken.“ In Schüttelreimform mit gewagter Grammatik, aber eingängiger Botschaft hat der Kölner Sportmediziner Gerhard Uhlenbruck auf dem Deutschen Schmerztag in Frankfurt den versammelten Ärzten noch einmal das Mantra der modernen Schmerzmedizin eingeschärft: Bitte, bitte verordnet euren Rückenschmerzpatienten nicht länger Schonung, sondern Bewegung. In vielen Studien habe sich bestätigt, dass ein moderates Fitnesstraining die Schmerzen im Kreuz lindert und auch sonst guttut: Man schläft besser, verliert Gewicht, altert langsamer und fühlt sich wohler in seiner Haut.

Wer seine Muskeln in Betrieb hält, lindert den Schmerz aber nicht nur auf Umwegen, sondern greift ihn nach neuen Erkenntnissen auch ganz direkt an: Ein trainierter Muskel, so Uhlenbruck, sei „immunologisch aktiv“ und wirke Entzündungsprozessen im Körper entgegen. Wird ein Muskel beansprucht, so produziert er Myokine. Diese Botenstoffe sind Gegenspieler der entzündungsfördernden Adipokine, die vom Fettgewebe produziert werden. Wer Sport treibt, wirkt demnach nicht nur dem Übergewicht, sondern auch dessen negativen molekularen Begleiterscheinungen entgegen – sofern man es nicht übertreibt. „Man sollte Sport treiben, aber nicht vom Sport getrieben werden“, warnt Uhlenbruck.

„Powertraining“ sei kontraproduktiv. Aber auch die von den Kassen favorisierten „Rückenschulen“ entpuppten sich in neuen Studien nicht als sonderlich effektiv gegen die Schmerzen im Kreuz. Als effizienteste Schmerzbremser haben sich vielmehr ganz gewöhnliche Alltagstätigkeiten erwiesen: Gartenarbeit, strammes Spazierengehen, Treppensteigen, Fahrradfahren, Tanzen – auch Joggen ohne übertriebenen Zeitehrgeiz.

Zwei bis vier Stunden Bewegung pro Woche bei einem Kalorienverbrauch von 2000 bis 2500 kcal sind gerade richtig, wie Uhlenbrucks eigene Forschung ergeben hat. Auf diesem gemäßigten Beanspruchungsniveau sei die antientzündliche Wirkung der Beschäftigungstherapie für den Muskel optimal – treibt man hingegen zuviel des Guten, kehrt sich der Effekt um und Entzündungsreaktionen werden angeheizt statt unterbunden.

Mehr über neue Erkenntnisse der Schmerzforschung und Therapieoptionen bei Rückenschmerzen in der Juniausgabe von Psychologie Heute.

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Notizen

vom Jahreskongress für Psychosomatische Medizin in Freiburg.

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