Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wandelten sich die Spitäler zu modernen Krankenhäusern. Alte, Gebrechliche und seelisch Kranke wurden in spezielle Häuser ausgelagert. Seitdem wandelten sich die Krankenhäuser allmählich zu medizinischen Einrichtungen. Die Untersuchungen fanden nicht mehr zu Hause im Beisein der eifrig mitdiskutierenden Familie statt, sondern fernab des Wohnortes. Der Arzt wurde zur alleinigen Autorität. Der Siegeszug der modernen, wissenschaftlichen Medizin begann.
Beide Krankenhaustraditionen, die christlich-barmherzige und die medizinisch-rationale, bestimmen bis heute das Bild. Die High-Tech-Klinik des 21. Jahrhunderts steht jedoch zusehends im Ruf, zur seelenlosen „Gesundheitsfabrik“ zu werden. Es herrscht permanenter Kostendruck, und mangels Personal gerät die Zuwendung für die Patienten allzu oft in Vergessenheit. Es drohen vermehrt frühzeitige „blutige“ Entlassungen von Frischoperierten, da Liegezeiten verkürzt werden müssen. Die anvertrauten Menschen werden zwar verwaltet und versorgt, sind aber nur noch je ein „Fall“ oder „Patientengut“.
Die konfessionellen Krankenhäuser dagegen werben trotz gleichen Kostendrucks mit ihrer Tradition der Nächstenliebe. Hier gilt noch die Karitas, das Gespräch am Krankenbett, die Seelsorge auch durch Pfleger und Ärzte. Dafür wird den Mitarbeitenden aber auch mehr abverlangt. Sie sollen christlich getauft sein und sich kirchlich engagieren. Katholiken dürfen in der Regel nicht geschieden sein und müssen – streng nach Lehre des Vatikans – die Abtreibung ablehnen.
Mehr zu Anspruch und Alltagswirklichkeit konfessioneller Krankenhäuser in der Januarausgabe von Psychologie Heute.