www.psychologie-heute.de | Gesundheit & Psyche in Heft 6/09
GESUNDHEIT & PSYCHE HEFT 6/09

Wie teilt man als Arzt
schlimme Befunde mit?

Gespräch mit der Psychoonkologin Monika Keller

Einem Krebspatienten eine niederschmetternde Nachricht überbringen zu müssen ist eine belastende Situation, in der sich auch erfahrene Ärzte unsicher fühlen. In dem von der Deutschen Krebshilfe an sieben Kliniken geförderten Modellprojekt KoMPASS üben onkologisch tätige Ärzte, solche schwierigen Gespräche zu führen. Monika Keller vom Heidelberger Universitätsklinikum leitet das Projekt.

PSYCHOLOGIE HEUTE Eine Patientin, Mutter einer vierjährigen Tochter, verspürt zwei Jahre nach einer Brustkrebsoperation Schmerzen und kommt zur diagnostischen Abklärung in eine Klinik. Die Untersuchung ergibt, dass sich in Lunge, Knochen und Leber Metastasen angesiedelt haben. Die Prognose ist trostlos. Stellen Sie sich vor, Sie wären die behandelnde Ärztin, die der Patientin den niederschmetternden Befund mitteilen muss. Was geht einem da durch den Kopf?

MONIKA KELLER Das sind die allerschlimmsten Fälle, die uns als Ärzten begegnen: eine junge Frau mit einem kleinen Kind; eine ursprünglich günstige Prognose – und plötzlich muss man feststellen, dass die Heilungshoffnungen getrogen haben. Als Arzt empfindet man da unweigerlich Erschrecken und Enttäuschung. Es ist wichtig, sich über diese Empfindungen im Klaren zu sein und sie sich einzugestehen, bevor man das Gespräch mit der Patientin sucht. Ärzte fühlen sich als Überbringer von schlechten Nachrichten oft unterschwellig mitschuldig. Es ist wichtig, dass Ärzte sich in dieser Situation klarmachen: Ich bin nicht verantwortlich für diese Krankheit und für diesen Befund! Aber ich bin dafür verantwortlich, wie ich der Patientin diese Nachricht übermittle.

PH Ist denn die Angst berechtigt, dass Patienten den Arzt als Überbringer der schlechten Nachricht für ihr Schicksal verantwortlich machen?

KELLER Eben nicht – Patienten kommen gar nicht auf diese Idee.

PH Wie reagieren Patienten typischerweise?

KELLER In aller Regel unerwartet gefasst. Tumorkranke sind nicht die expressive Sorte von schreienden, in Tränen ausbrechenden Patienten. Das hat vielleicht damit zu tun, dass sie ihren Arzt schonen wollen, denn sie sind auf ihn angewiesen und möchten ihn nicht verlieren. Sie orientieren sich stark an der Körpersprache des Arztes, die ihnen vermittelt: „Mach’s mir jetzt bitte nicht so schwer!“ Genau das versuchen die Patienten dann zu tun. Das kann dem Arzt das erleichternde Gefühl vermitteln: Ach, ist ja gar nicht so schlimm! Dieser Eindruck trügt allerdings, denn bei aller äußerlichen Gefasstheit sind die Patienten innerlich sehr aufgewühlt.

Das vollständige Interview mit Monika Keller und Näheres zum KoMPASS-Projekt finden Sie in der Juniausgabe von Psychologie Heute.

  • Bild: Universitätsklinikum Heidelberg
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