Wie geht man in der Türkei mit psychischen Störungen um?
Ein Gespräch mit der Psychiaterin Elif Mutlu
Dr. Elif Mutlu ist Ärztin an der Psychiatrischen Klinik Bakırköy in Istanbul. Die Psychiaterin hat die Deutsche Schule in Istanbul besucht und ist Vorstandsmitglied der Deutsch-Türkischen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosoziale Gesundheit mit Sitz in Marburg. In der kürzlich eröffneten Tagesklinik von Bakırköy sprach Barbara Knab mit ihr über psychische Gesundheit in der Türkei und bei türkischen Migranten in Deutschland.
PSYCHOLOGIE HEUTE Wie wird an Ihrer Klinik Psychiatrie betrieben?
ELIF MUTLU Bakırköy ist ein großes Krankenhaus für Neuropsychiatrie mit ungefähr 600 Betten. Es gibt Forensikstationen, Psychosestationen, eine Neurosenklinik, eine Suchtstation und seit kurzem diese Tagesklinik. Junge Ärzte werden in Bakırköy in Psychiatrie und Psychotherapie ausgebildet. Wir behandeln genau wie in Europa mit Medikamenten, Sozialtherapie und Psychotherapie, vor allem Verhaltenstherapie. Hier in Istanbul haben wir aber schon den höchsten Standard der türkischen Psychiatrie.
PH Depression gilt als Krankheit unserer Zeit. Ist das auch bei Ihren Patienten so? Oder sind hier andere Probleme wichtiger?
MUTLU Tatsächlich kommen sehr viele Menschen mit Depression, aber auch mit Angst. Nicht wenige Männer sind suizidal, und in der Neurosenklinik leiden viele Frauen unter Konversionsstörungen; das gibt es ja in Deutschland kaum mehr. Es ist bekannt, dass im Orient Konversionsstörungen generell häufiger auftreten.
PH Wie äußern die sich zum Beispiel?
MUTLU Die Frauen können etwa nicht mehr reden, sie haben plötzlich die Sprache verloren. Oder sie räumen nicht mehr auf zu Hause. Wenn hier in der Türkei eine Frau ihrem Mann sagt, es geht mir schlecht, ich fühle mich nicht wohl, ich habe Probleme – dann wird das nicht akzeptiert. Wenn sie aber nur noch dasitzt, sich nicht mehr rührt und nicht mehr reagiert, dann ist ihm klar: Sie braucht einen Arzt. In Deutschland habe ich solche Fälle auch in Notdiensten bei türkischen Migrantinnen gesehen.
Das vollständige Interview finden Sie in der Aprilausgabe von Psychologie Heute.
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