Allerdings sind sich auch die Experten nicht ganz einig, was genau sie nun unter einem Nanofabrikat verstehen wollen und was nicht. Klar ist: Die Nanotechnik arbeitet mit extrem kleinen Teilchen und Schichten – allerdings nicht beliebig klein. Dies alles bewegt sich ungefähr in der Größenordnung zwischen einem und hundert Nanometern (ein Nanometer ist der Milliardste Teil eines Meters). Die mechanischen Wichte – nano leitet sich aus dem griechischen Wort für Zwerg ab – sind damit größer als ein gewöhnliches Molekül, aber kleiner als ein Virus. Ein Nanoteilchen ist so viel kleiner als ein Fußball, wie der Fußball kleiner als die Erdkugel ist. Nanoerzeugnisse gibt es in allen Formen und Materialien, als Metallröhrchen oder Kunststoffbällchen, als Keramikbeschichtung oder Protein. Man findet sie in Autoreifen, die seit eh und je mit winzigen Rußschnipseln gehärtet werden. Sie stecken im Gehäuse von Fernsehern, die man mit Polymeren feuerfest macht. Oder sie schwimmen als lichtreflektierende Titanoxidpartikel in der Sonnenmilch.
Ein Operationsgebiet der Zwerge, auf das sich die Erwartungen und Ängste in besonderer Weise fokussieren, ist die Medizin. Vor allem bei der Herstellung und dem Transport von Medikamenten bietet die Nanotechnik Aussichten. Mit ihr lassen sich etwa Schutzhüllen bauen, in deren Ummantelung Wirkstoffmoleküle sicher zu ihrem Zielort im Organismus, beispielsweise einem Tumor, geschleust werden können. Solche vielversprechenden Verfahren werden heute bereits in der Krebstherapie erprobt.
Mehr zum Thema „Nanomedizin“ finden Sie in der Augustausgabe von Psychologie Heute – inklusive eines ausführlichen Interviews mit Wolfgang Heckl, dem Leiter des Deutschen Museums in München, über Zukunftsvisionen zum Einsatz maßgefertigter winziger Arzthelfer im menschlichen Körper.