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Beachten Sie bitte: Wir nehmen zu diesem Thema keine weiteren Beiträge an.
Wolfgang Bihler definiert in seinem Buch „Weiterbildungserfolg in betrieblichen Lehrveranstaltungen“ Grundlagen, Bedeutung, Umweltkontext, Ziele und Weiterbildung als Zielgrößen interner betrieblicher Lehrveranstaltungen und beschreibt deren Einfluss auf den Weiterbildungserfolg. Aus dieser empirischen Untersuchung geht klar hervor, dass „… für den faktischen Lerntransfer der antizipierte Lerntransfer mit Abstand am wichtigsten ist. Der antizipierte Lerntransfer wird wiederum stark vom Lernerfolg beeinflusst. Je höher der Lernerfolg, desto eher erwarten die Teilnehmer einen Lerntransfer und desto mehr wenden sie das Gelernte auch tatsächlich am Arbeitsplatz an …“
Also liegt es sehr stark an motivierten und qualifizierten Trainern, den Lernerfolg in der Weiterbildung zu steigern und damit auch den Lerntransfer zu erhöhen. Ich frage mich daher, wie Richard Gris seine Seminare aufbaut. Falls er Massenveranstaltungen durchführt oder „nur“ Seminare abhält, ohne auf den Transfer zu achten, wundert es kaum, dass er zur Ansicht gelangt, Weiterbildung würde sich nicht lohnen.
Wesentlich ist doch, die Seminare und Konzepte sehr stark der jeweiligen Unternehmenssituation anzupassen und praktische Beispiele aus dem Unternehmensumfeld zu behandeln. Ich lege sehr viel Wert auf das Coaching nach den Seminaren direkt am Arbeitsplatz, um den Transfer in die Praxis auch sicherzustellen.
Mir sind Wertorientierung und Authentizität von Richard Gris unklar. Es drängt sich mir die Frage auf, wie er authentisch gute, transfersichere Seminare abhalten kann, wenn er selbst überzeugt ist, Seminare seien hinausgeworfenes Geld? Der Spagat zwischen seinem Seminarinhalt und seiner tatsächlichen Meinung kann nicht funktionieren.
Provokant könnte man sagen: Richard Gris trainiert in Bereichen und mit Methoden, von denen er selbst nicht überzeugt ist, die er sogar für sinnlos erachtet. Wie soll da bitte ein Transfer möglich sein?
Ulrike Knauer, Stans (Österreich)
Ich habe aufgrund meiner Erfahrungen als Trainer in einer ähnlichen Analyse 1995 von „Erwartungen und Versprechungen in illusionärer Komplementarität“ gesprochen: Alle Beteiligten – Auftraggeber eines Seminars, Teilnehmende sowie Trainer und Trainerinnen – haben oft den stillschweigenden Konsens, dass durch das Training möglichst keine Turbulenz im System entstehen soll. Ohne eine solche vollzieht sich jedoch keine effektive Veränderung!
Gleiches gilt intrapersonal: Die für die Verhaltens- und Handlungssteuerung entscheidende, weitgehend unbewusste Ebene der Einstellungen und „Glaubenssätze“ leistet – gerade wegen ihrer Steuerungsfunktion – nachdrücklichen Widerstand gegen Infragestellungen. Um Letzteres erreichen zu können, bedarf es der Vertrauensbildung und Kompetenz seitens der Trainerin, des Trainers.
Mir fehlt im Beitrag von Richard Gris die zentrale Frage nach einer angemessenen Qualifikation der Trainerinnen und Trainer. Da genügt kein Silberkoffer mit Wölkchen und Klebekärtchen; da reicht es nicht, plausible, kürzelfreudige Modelle und Techniken zu vermitteln (möglichst dasjenige, das auf dem Weiterbildungsmarkt gerade Konjunktur hat).
Lernen am Modell heißt, die Glaubwürdigkeit des Vermittelten am erlebbaren Verhalten des Vermittlers zu messen. So paradox es für Laien klingen mag: Erfahrungsgemäß ist kaum eine Gruppe so konfliktanfällig und zugleich so wenig bereit, ihre eigenen Modelle (welches denn gerade?) bei Bedarf anzuwenden, wie die der Trainer. Und dies, weil wohl viele von ihnen an die Wirksamkeit dieser Modelle selbst nicht glauben. Weil nicht wenige auswechselbare Trickkisten verkaufen und keine Haltungen anzubahnen versuchen, die auf einem zu vermittelnden Menschenbild beruhen, ethische Anforderungen implizieren und zugleich Verständnis dafür beinhalten, diesen Maßstäben nicht immer gerecht werden zu können.
Psychotherapiekonzepte hätten da einiges für die Weiterbildung zu bieten. Die Gestalttherapeuten Erving und Miriam Polster schreiben: „Therapie ist zu wertvoll, um nur den Kranken vorbehalten zu sein.“
Also: Weiterbildung, die immer auch Persönlichkeitsbildung ist, kann sehr wohl was bringen – und zwar einen Zuwachs an Handlungskompetenz und persönlicher Reife für alle Beteiligten, auch die Trainer!
Jo E. Schnorrenberg, Köln
Offenbar ist Richard Gris nicht bekannt, dass Lernbegleitung grundsätzlich mit einem strukturellen Dilemma umgehen muss: Auf der einen Seite müssen sich die Investitionen lohnen, das heißt Input und Output müssen in einem akzeptablen Verhältnis stehen. Auf der anderen Seite sind Menschen keine Maschinen. Sie sind eigensinnig und lernen nur das, was sie lernen können und lernen wollen. Und diese Selbstbestimmung soll in anspruchsvollen Lernprozessen auch noch gefördert werden.
Die Professionalität von Lernbegleitern besteht doch gerade darin, mit diesem Dilemma so umgehen zu können, dass alle Beteiligten zufrieden sind. Weder lässt sich das Dilemma abschaffen, noch sollten Lernwillige grundsätzlich sich selbst überlassen bleiben.
Prof. Dr. Ferdinand Buer, Münster
Der interne und externe Wettbewerb zwingt Organisation und Mitarbeiter, konkurrenzfähig zu sein. Weiterbildung ist ein Instrument der Personalentwicklung, Personalentwicklung ein Teil der Unternehmensführung. Den vom Autor beschriebenen fehlenden Leidensdruck hat jedes Unternehmen, jeder Mitarbeiter tagtäglich – dieser muss nicht noch künstlich erzeugt werden. Jedes Unternehmen, jeder Mitarbeiter hat zu entscheiden, ob Weiterbildung das richtige Mittel im Konkurrenzkampf ist. Und manchmal ist weder der Mitarbeiter noch die Führungskraft am fehlenden Transfer schuld, sondern der Trainer.
Ob betriebliche Weiterbildung hilft, entscheidet letztendlich die Marktwirtschaft. Betrachtet man die aktuelle Situation auf dem Weiterbildungsmarkt, ist der Beweis erbracht: Weiterbildung hilft!
Michael Wolff, Hermaringen
Wenn der Autor sich alle Hintertürchen offen hält, indem er schreibt, seine Ausführungen seien „nicht immer in allen Firmen und bei allen Teilnehmern gleichermaßen gültig“, was bringt es dann an Erkenntnisgewinn, wenn es folglich im Einzelfall gültig sein könnte? Das weiß doch auch Lieschen Müller, dass es schwarze Schwäne gibt. Nicht falsifizierbare Aussagen sind ziemlich wertlos. Die Aussage „Weiterbildung – bringt nichts!“ ist falsifizierbar, und zwar ist sie falsch.
Der Beitrag offenbart ein ziemlich überholtes Menschenbild, in dem Verhalten einbahnstraßenähnlich von Kognitionen, Werten und Einstellungen gesteuert wird. Das reflexive Subjekt Mensch greift aber aktiv in die Welt ein, ändert diese, was auf ihn zurückwirkt. Solche Wechselwirkungen, die den Menschen nicht als passives Wesen sehen, werden hier nicht bedacht.
Die im Beitrag genannten Trainings sind schlechte Beispiele: Es ist doch bekannt, dass das Drillen isolierter Skills oder Verhaltenstechniken aus einem Ackergaul kein Paradepferd macht. Es kommt darauf an, im Organisationsberatungsprozess konkrete Ziele, die mit konkreten Handlungen zu erreichen sind, zu vereinbaren und Nachhaltigkeit abzusichern.
Dr. Klaus Mucha, Diplompsychologe
Beauftragter für betriebliches Gesundheitsmanagement beim Bezirksbürgermeister, Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Berlin
Vieles von dem, was ich trainierte und erfuhr, konnte ich umsetzen. Mein Medizinstudium kann ich genauso wie mein Ingenieurstudium als Aneinanderreihung gelungener Seminare betrachten. Und meine Ausbildung zum Facharzt für psychotherapeutische Medizin wäre ohne erfolgreiche Seminare überhaupt nicht denkbar. Dem Tenor des Beitrages widerspreche ich, was mich betrifft, ganz und gar.
Dr. med. Manfred Budde
Facharzt für psychotherapeutische Medizin, München
Gewiss sind die klassischen Standardformate, wie vorgefertigter Frontalunterricht tatsächlich wenig nutzbringend. Unsere Erfahrung ist allerdings, dass mit einem ganzheitlichen Lernansatz sehr wohl Aha-Effekte und Veränderungen ausgelöst werden können. Wir erzielen beispielsweise mit unserem Programm Blickwechsel® sehr gute Ergebnisse. Hier werden handlungsorientierte Elemente (die fünftägige Mitarbeit in einer sozialen Einrichtung) mit angeleiteter Reflexion kombiniert. Das zusätzliche Follow-up-Coaching gewährleistet den Transfer in die berufliche Praxis.
Ein solcher mehrstufiger Ansatz bietet die Gewähr, dass etwas neu Erlebtes in neue Erkenntnisse und schließlich in die Alltagsroutine überführt werden kann.
Gabriele Bartsch
Geschäftsführerin der Agentur mehrwert, Stuttgart

Im Jahr 2004 konnten wir auf 30 Jahre Psychologie Heute zurückblicken. Aus diesem Anlass haben wir exklusiv für unsere Leser das Jubiläumsbuch „Faszination Psychologie“ aufgelegt. Es versammelt 100 Beiträge bedeutender Autoren aus drei Jahrzehnten … mehr