Entscheiden ohne Reue

 24. Mai 2017

Wer stets die beste Entscheidung treffen will, ist damit nicht immer glücklich, hat eine Studie ergeben. Tatsächlich kommt es weniger auf die Entscheidung selbst, sondern auf die richtige Strategie an.

Fahre ich heute mit dem Auto oder der Bahn zur Arbeit? Gehe ich ins Kino, ins Theater, oder bleibe ich zu Hause? Ist mein Partner der richtige? Bei allen Entscheidungen wollen manche immer die jeweils beste Option finden. Psychologen nennen sie „Nutzenmaximierer“.

Allerdings sind die Maximierer mit der besten Entscheidung nicht immer auch glücklich, zeigen kanadische Psychologen in drei Studien mit Entscheidungsaufgaben. Vielmehr komme es auf die Strategie an. Zunächst zeigte sich: Viele Alternativen zu bewerten ist anstrengend, aber unproblematisch. Doch wer beim Prüfen der Optionen immer wieder über entgangene und verpasste Chancen nachgrübelt, ist im Nachhinein mit seiner Wahl weniger zufrieden und bedauert seine Entscheidung stärker.

Besser sei es, bereits verworfene Optionen gedanklich abzuhaken, dann könnten die Maximierer ihre Wahl am Ende auch genießen, belegt die Studie. Gelinge dies nicht, könne die falsche Entscheidungsstrategie unzufrieden machen und dazu führen, dass Entscheidungen aufgeschoben oder sogar aufgehoben werden. Am günstigsten sei es, nicht abzuwägen, sondern sich nur auf den Nutzen einer Entscheidung zu konzentrieren, heißt es.

Katharina Wetzel/SAC

 

Jeffrey Hughes, Abigail A. Scholer: When wanting the best goes right or wrong: Distinguishing between adaptive and maladaptive maximization. Personality and Social Psychology 1-14, 2017. DOI: 10.1177/0146167216689065

Dieser Beitrag ist in leicht veränderter Form in der Ausgabe 06/2017 von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Konzentieren Sie sich!". Weitere Meldungen zu interessanten aktuellen Studien finden Sie im Heft unter anderem in den Rubriken Themen & Trends sowie Körper & Seele.

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