Lächeln schafft Vertrauen

 27. November 2014
Bild: Getty Images

„Mit einem Lächeln gewinnt man mehr Freunde als mit einem langen Gesicht“ – sagt ein chinesisches Sprichwort. Ein Team von Forschern des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Plön und von der Toulouse School of Economics hat das Sprichwort nun wissenschaftlich untersucht. Sie wollten wissen, ob wir mit einem Lächeln tatsächlich Vertrauen erwecken können.

Bisher war unklar, ob das menschliche Lächeln tatsächlich der Kommunikation dient oder ob es lediglich ein unwillkürlicher Ausdruck der eigenen Gefühlslage ist. Schon Charles Darwin hat sich über die Funktion des sogenannten Duchenne-Lächelns Gedanken gemacht, das unbewusst entsteht und als nicht willentlich beeinflussbar gilt.

Manfred Milinski vom Max-Planck-Institut und seine Kollegen haben deshalb ein Verhaltensexperiment entwickelt, mit dem sie die Wirkung des Lächelns auf die Kooperationsbereitschaft messen können. Im Experiment mussten zwei Versuchsteilnehmer zusammenarbeiten, um einen Geldbetrag von vier Euro – oder in einem weiteren Experiment acht Euro – zu erhalten. Einer oder eine der beiden Freiwilligen wurde von den Forschern zum Treuhänder ernannt.  Dieser sollte sich seinem Mitspieler oder seiner Mitspielerin sodann in einem Videoclip mit vorgegebenem Text kurz vorstellen und ihn oder sie bitten, ihm den von den Forschern zur Verfügung gestellten Geldbetrag zu schicken.

Der Adressat musste nun anhand des Videos entscheiden, ob er dem Treuhänder das Geld überlässt. Entschied er sich dazu, wurde der Betrag für den Treuhänder verdreifacht. Nun konnte dieser wiederum wählen, ob er dem Absender ein Drittel oder die Hälfte des Betrags zurückschickt oder ob er einfach alles – also maximal 24 Euro – behält und der andere Teilnehmer leer ausgeht.

Die Wissenschaftler dokumentierten zunächst, wie die Adressaten und auch unbeteiligte Probanden den vorgeführten Videoclip bewerteten. Diese mussten angeben, für wie attraktiv, intelligent und vertrauenswürdig sie die Person in dem Video halten und ob sie deren Lächeln als authentisch empfinden. „Die Personen, deren Lächeln als echt empfunden wurde, galten auch als vertrauenswürdig. Am Lächeln schätzte der Sender tatsächlich die Wahrscheinlichkeit ab, mit der der Treuhänder mit ihm teilen würde“, erklärt Manfred Milinski.

Für die Sender lohnte es sich, den Treuhändern mit dem authentischen Lächeln zu vertrauen, denn diese schickten ihnen tatsächlich im Schnitt mehr Geld zurück. „Ein als authentisch empfundenes Lächeln ist also ein ehrlich gemeintes Signal, das die eigene Kooperationsbereitschaft anzeigt. Es soll andere in Situationen zur Zusammenarbeit animieren, in denen es auf Vertrauen ankommt, das gerechtfertigt ist“, so der Forscher.

Darüber hinaus lächelten die Treuhänder bei Spielen mit dem höheren Einsatz, also acht Euro, häufiger in einer authentisch empfundenen Art und Weise. Es scheint folglich leichter zu sein, ehrlich zu lächeln, wenn ein höherer Gewinn winkt. Da das authentische Lächeln unbewusst entsteht und als nicht willentlich beeinflussbar gilt, scheint es Kosten zu haben, die man unbewusst nur aufbringt, wenn es sich auszahlt – und man es ehrlich meint.

Ob in den Experimenten oder im richtigen Leben: Lächeln ist ein häufig eingesetztes Signal, das Vertrauen herstellt und unsere Kooperationsbereitschaft fördert.

 

Quelle: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V.

 

 

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