Ein Typ zum Gruseln?

 26. August 2016
Foto: Getty Images

Unheimlich? Nein! Nur ungewohnt. Foto: Getty

Was für ein seltsamer Mensch! Manche Leute lösen bei uns Unbehagen aus – durch ihr Aussehen, ihr Verhalten oder eine Kombination aus beidem. Eine aktuelle Studie listet die Merkmale auf, die wir an anderen am häufigsten merkwürdig finden.

Sie sammeln Insekten, bewahren vielleicht sogar Ihre abgeschnittenen Fingernägel auf? Im Gespräch mit anderen lachen Sie an Stellen, die sonst niemand lustig findet? Konversationen lenken Sie gerne auf Themen, die offenkundig nur Sie interessieren, besonders Sex?

Falls es Ihnen nicht aufgefallen ist: Ihren Mitmenschen sind Sie unheimlich, im Englischen würde man Sie als creepy bezeichnen. Bislang hatten sich Psychologen kaum mit der Frage beschäftigt, welche Eigenschaften als seltsam und unangenehm zugleich gelten. Das haben Francis McAndrew und Sara Koehnke vom Knox College in Galesburg nun nachgeholt.

Dünn, emotional auffällig, männlich

Sie baten mehr als 1300 Internetnutzer, entsprechende Merkmale aufzulisten. Neben den eingangs genannten Charakteristika würde sich ein prototypisch unheimlicher Typ nach dieser Aufzählung ständig die Lippen lecken, auf eigenartige Weise lächeln, sehr dünn sein, zu viel oder zu wenig Emotionen zeigen – und männlichen Geschlechts sein.

Nun sind alle von McAndrew und Koehnke zusammengetragenen Eigenschaften mehr oder weniger harmlos. Insekten zu sammeln oder unpassend zu lachen gefährdet grundsätzlich niemanden. Unheimlich wird es für andere, weil es abseits der Norm liegt und deshalb das zukünftige Verhalten nicht vorhersehbar ist.

Ist der Mann, der seine Mitfahrer im Bus so eigenartig anlächelt, ungefährlich – oder eine Bedrohung? Wer Unsicherheit auslöst, wirkt leicht unheimlich. Das gilt übrigens auch für Berufe, mit denen die meisten Leute selten Kontakt haben: Clowns, Tierpräparatoren, Sexshopbesitzer und Bestattungsunternehmer erschienen den Befragten ebenfalls recht creepy.

JK/ EMT

Francis T. McAndrew, Sara S. Koehnke: On the nature of creepiness. New Ideas in Psychology, 43, 2016, 10–15. DOI: 10.1016/j.newideapsych.2016.03.003 (Abstract)

 

Dieser Beitrag ist in leicht veränderter Form in der Ausgabe 09/2016 von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Ich und glücklich?". Weitere Meldungen zu interessanten aktuellen Studien finden Sie im Heft unter anderem in den Rubriken Themen & Trends sowie Körper & Seele.

Kaufen können Sie die aktuelle Ausgabe bei einer Verkaufsstelle in Ihrer Umgebung. Ein Abo für Psychologie Heute können Sie hier abschließen.

Aktuelle und frühere Ausgaben von Psychologie Heute und Psychologie Heute compact gibt es auch im Online-Shop.

Einzelne Artikel finden Sie in unserem Archiv.

 

 

Emotion & Kognition

Musik trainiert den Zukunftssinn

Das Herz schlägt schneller, die Handinnenflächen werden feucht, der ganze Körper spannt sich an. Später, wenn sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hat, spüren wir wohlige Erleichterung. Das Herz beruhigt sich wieder, die Muskeln...
>> weiterlesen

Medien & Gesellschaft

Gewissenhafte lieben milde Töne

Was sollen wir unseren Nutzern nur empfehlen? Darüber zerbrechen sich die Entwickler von Musikstreamingdiensten wie >> weiterlesen

Gesundheit & Psyche

Besser leben – in passender Umgebung

Ob man sich an einem Ort wohlfühlt, kann auch von dem dort vorherrschenden Temperament abhängen. Ähnelt die Persönlichkeit der Mitmenschen der eigenen, stärkt das offenbar das Selbstbewusstsein.
Kreative sollten nach Berlin...
>> weiterlesen

Familie & Erziehung

Auf zum Mond!

In der Fantasie können Kinder alles: Sie fliegen wie Vögel und reisen zum Mond. Möglicherweise profitieren sie auch langfristig von ihren imaginierten Abenteuern. Denn diese scheinen eine Reihe geistiger Fähigkeiten zu fördern....
>> weiterlesen

Partnerschaft & Sexualität

Nicht in der Stimmung?

Will sie Sex, oder hat sie keine Lust? Das fragen sich Männer recht häufig. Allerdings liegen sie in romantischen Beziehungen mit ihrer Antwort oft falsch. Aber anders als man denken könnte. Sie unterschätzen nämlich das...
>> weiterlesen

Arbeit & Freizeit

Wenn der Job den Schlaf raubt

Manchmal verfolgt einen die Arbeit bis in die Nacht hinein. Dann spuken einem all die unerledigten Aufgaben und die kleinen und großen Bürokämpfe im Kopf herum und stören die Nachtruhe.
In einer großen Studie mit mehr als 5000...
>> weiterlesen

Aboservice

Jahres-, Studenten- oder Geschenkabo: Sie wählen Ihr Abonnement – wir bieten interessante Prämien! Zum Abo-Shop.

 

 

Neu im Shop

Der Wurm in unserem Herzen

Von Sheldon Solomon, Jeff Greenberg, Tom Pyszczynski.
Wie das Wissen um die Sterblichkeit unser Leben beeinflusst.
DVA Verlag, 2016, 368 S.

24,99 €inkl. 7% MwSt.