Schön glücklich?

 27. Mai 2016
Foto: Plainpicture

Viele Menschen gehen ins Fitnessstudio, um ihren Körper zu stählen. Manche unterziehen sich gar einer Schönheits-OP. Und die unentwegt boomende Kosmetikindustrie verspricht uns ewige Jugend. Da liegt die Vermutung nahe: Hätten wir ein hübscheres Gesicht und einen schöneren Körper, dann wären wir auch glücklicher. Dem widerspricht eine neue Studie unter der Leitung des polnischen Glücksforschers Lukasz D. Kaczmarek.

Kaczmarek bat 97 Probanden, jeweils zwei Fragebögen auszufüllen: Im ersten sollten Aussagen zur Lebenszufriedenheit bewertet werden. Im zweiten ging es um Fragen zur Zufriedenheit mit dem Aussehen des Gesichts und anderer Körperregionen. Entscheidend ist nun, dass die Anordnung der Fragen variierte: Die eine Hälfte der Teilnehmer startete mit Fragen zur Lebenszufriedenheit, die andere mit Fragen zur Zufriedenheit mit dem Aussehen.

Das Ergebnis: Die Probanden schätzten sich als glücklicher ein, wenn sie auch mit ihrem Aussehen zufriedener waren – aber nur dann, wenn sie zuerst über die Zufriedenheit mit ihrem Aussehen befragt wurden. Im umgekehrten Fall war die Verbindung zwischen Aussehen und Glück nur sehr schwach ausgeprägt.

Wie kann das sein? Kaczmarek geht davon aus, dass die Probanden einer sogenannten "Fokusierungsillusion" unterliegen: Erst dann, wenn sie quasi auf den Trichter gebracht werden, dass ihr Glück etwas mit ihrem Aussehen zu tun haben könnte, stellen sie eine zuvor irrelevante Verbindung zwischen diesen Aspekten her und überschatten somit ihre eigentlichen Gefühle. Deshalb sollten Psychologen stets darauf achten, in welcher Reihenfolge sie ihre Fragen stellen, um verzerrte Studienergebnisse zu vermeiden.

Die Studie legt also nahe, dass Menschen nicht unbedingt ein glücklicheres Leben haben, bloß weil sie mit ihrem Aussehen zufriedener sind. Allerdings ist auch der eigene Fokus wichtig: Wer ständig über sein Äußeres grübelt, der könnte sich allzu sehr auf dieses Thema versteifen und unglücklicher werden. Dazu bemerkte schon der Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahneman: "Nichts im Leben ist so wichtig, wie man denkt, es sei denn, man denkt darüber nach."

Patrick Spät

Lukasz D. Kaczmarek u. a.: Would you be happier if you looked better? A focusing illusion. Journal of Happiness Studies, 17, 2016, 357–365. DOI: 10.1007/s10902-014-9598-0

Dieser Beitrag ist in etwas abgewandelter Form in der aktuellen Juni-Ausgabe von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Drüber stehn! Sich weniger aufregen, nicht alles persönlich nehmen, gelassen bleiben".

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