Die bessere Pause

 27. August 2015

Lust auf ein Mittagsschläfchen? Nur zu: Was Spaß macht, führt offenbar auch zu einer besseren Erholung.

Ohne Unterbrechung durcharbeiten? Das geht auf Dauer nicht gut. Mit Pausen leisten wir mehr, sind kreativer und fühlen uns gesünder. Doch wie erholen wir uns im Laufe eines Arbeitstages am besten? Zwei Forscherinnen empfehlen: Wenn kürzer, dann häufiger. Und: Man sollte etwas tun, das Spaß macht.

Was wäre Musik ohne Stille, ein Fußballspiel ohne Halbzeit, die Woche ohne Ruhetag? Ganz schön anstrengend! Wir brauchen Pausen, anders können wir auch unseren Alltag nicht bewältigen. Doch wie nutzen wir diese Auszeiten am besten? Was gibt uns am meisten Kraft zurück?

Zwei Forscherinnen von der Baylor University im US-Bundesstaat Texas haben in einer jüngst im Journal of Applied Psychology veröffentlichten Studie versucht, die effizienteste Art der Erholung zu bestimmen. Ihr Fazit: Die an vielen Arbeitsplätzen verbreitete Einteilung des Werktages in zwei, von einer vergleichsweise langen Mittagspause unterbrochene Hälften ist nicht unbedingt die ideale Lösung.

Stattdessen empfehlen Emily Hunter und Cindy Wu einen bewussten Umgang mit den Auszeiten. Wir sollten, wenn wir nur wenig Zeit haben, mehr Pausen machen, sagen sie, am besten früher am Tag – und zudem besser darauf achten, was wir währenddessen unternehmen und wie gut uns das tut.

Angenehme Aktivitäten führen zu größerer Erholung

Um zu untersuchen, unter welchen Umständen Menschen sich über einen Arbeitstag am besten erholen, baten sie 95 Angestellte einer mittelgroßen privaten Universität, über fünf Tage ihr Pausenverhalten zu protokollieren. Nach jeder Auszeit sollten die Teilnehmer anhand von Fragebögen angeben, welcher Art die Pause war, wie sie sich körperlich fühlten und als wie stark sie das Maß der Erholung empfanden. Nach dem Erhebungszeitraum beantworteten die Probanden zudem unter anderem Fragen zu ihrer allgemeinen Zufriedenheit mit ihrer Arbeit.

Als Pause definierten die Wissenschaftlerinnen "jeden Zeitraum, formell oder informell, an einem Arbeitstag, in dem die Erledigung arbeitsrelevanter Aufgaben nicht gefordert oder erwartet wird, inklusive Pausen am Mittag, für Kaffee, persönliche E-Mails oder Kontaktpflege mit Kollegen", Toilettengänge waren ausgenommen.

Das Ergebnis: Die Art der Aktivität, die Dauer der Pause sowie ihr Zeitpunkt scheinen das Ausmaß der Erholung zu beeinflussen. Wer sich in einer Auszeit mit Dingen beschäftigt, die er bevorzugt, fühlt sich danach offenbar besser erholt – besonders am Nachmittag. Spätestens nach etwa fünfeinhalb Stunden empfanden sich die Teilnehmer generell als weniger leistungsfähig und berichteten vermehrt von körperlichen Beschwerden.

Wer weniger pausiert, braucht längere Auszeiten

Die Annahmen, weniger anspruchsvolle Tätigkeiten und Aufenthalte außerhalb des Büros täten den Teilnehmern besonders gut, wurden in dieser Untersuchung ebenso wenig bestätigt wie jene, dass besonders solche Aktivitäten förderlich sind, die nicht mit der Arbeit assoziiert sind.

Nach Ansicht der Autorinnen sollte man besonders bei späten Pausen darauf achten, Tätigkeiten nachzugehen, die man für sich als angenehm empfindet. Diese erforderten weniger kognitiven Aufwand und wirkten deshalb ressourcenschonend. Sie raten zudem dazu, früh Pausen zu nehmen, da die wahrgenommene Regenerierung dann stärker sei als bei späteren Unterbrechungen. Bevorzugt eine Person kürzere Auszeiten, sollte sie ihre Arbeit häufiger unterbrechen. Wer weniger Pausen nehme, habe allerdings mehr davon, wenn er sich dann eine längere Auszeit gönne, so die Forscherinnen.

Darauf zu achten, zahlt sich offenbar aus. Zumindest berichteten die Studienteilnehmer, die sich nach einer Pause besser erholt fühlten, von geringeren körperlichen Problemen wie Kopf-, Augen- oder Rückenschmerzen, sie waren insgesamt zufriedener mit ihrer Arbeit und fühlten sich weniger gestresst.

Eva-Maria Träger

Emily M. Hunter, Cindy Wu: Give me a better break: Choosing workday break activities to maximize resource recovery. Journal of Applied Psychology, 2015, online vor Print. DOI: 10.1037/apl0000045 (Abstract)

 

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