Vorfreude auf den Europameister
25. Mai 2012
Schon vor der Eröffnung der Fußball-Europameisterschaft am 8. Juni hebt die Vorfreude auf das Turnier die Stimmung in Deutschland. Knapp jeder Vierte (23 Prozent) freut sich so auf das Gekicke und das Drumherum, dass auch seine allgemeine Stimmung bereits jetzt „stark“ oder „sehr stark“ gestiegen ist. Das zeigt die aktuelle „Allianz-Zuversichtsstudie“, die in Zusammenarbeit mit der Universität Hohenheim durchgeführt wurde.
Wieder einmal freuen sich besonders die Männer auf das Fußballspektakel: 36 Prozent fiebern dem Anpfiff entgegen. Bei den Frauen sind es nur zwölf Prozent. Damit heizt das Turnier die Stimmung bei den Männern diesmal stärker an als bei der letzten EM im Jahr 2008 (plus vier Prozentpunkte). Bei den Frauen ist die Vorfreude dagegen weniger groß als vor vier Jahren (minus sieben Prozentpunkte). Offenbar ist beim weiblichen Teil der Bevölkerung die Fußballbegeisterung, die vor sechs Jahren bei der Weltmeisterschaft im eigenen Lande zaghaft aufkeimte, bereits wieder im Schwinden.
Am stärksten hat sich das Fußballfieber bislang in der Gruppe der unter 30-Jährigen ausgebreitet: Hier geben 36 Prozent an, dass der Ausblick auf die EM sich positiv auf ihre Stimmung auswirkt. In der Altersgruppe zwischen 50 und 59 Jahren ist die Vorfreude am wenigsten ausgeprägt: Nur 13 Prozent sagen, dass die anstehende Europameisterschaft ihre Stimmung hebt. „Insbesondere junge Menschen haben sehr positive Erinnerungen an die letzten Fußball-Großereignisse“, sagt Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim, der die Studie wissenschaftlich begleitet. „Vor allem die Aussicht auf das Sommerwetter und die ausgelassene Stimmung auf den Fanmeilen versetzen die Jüngeren in Hochstimmung.“
Kein Wunder, denn der Ausgang des Turniers ist praktisch klar: Deutschland bezwingt Spanien im Finale und wird Europameister. So haben es Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln und der International School of Management in Frankfurt errechnet. Deutschland also Turniersieger, war ja eigentlich klar. Ein paar Überraschungen gibt es dennoch: So stößt Co-Gastgeber Polen bis in das Halbfinale vor, während die Niederländer bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten müssen. Auch England muss bangen: Gegen Schweden braucht es einen hohen Sieg, um durch das bessere Torverhältnis in das Viertelfinale zu kommen.
Das alles geht klipp und klar aus dem zweistufigen Modell hervor, mit dem Michael Groll von der Sport- und Bernd Giezek von der Management-Hochschule den Verlauf des Turniers prognostiziert haben. Berücksichtigt wurden dabei verschiedene Messgrößen, darunter der Marktwert der Mannschaften, Wettquoten und zusätzliche Sondereffekte wie etwa der Gastgeberbonus. Der daraus errechnete Wert entscheidet über den Favoritenstatus in den jeweiligen Partien.
Leider spielt auch der Faktor Zufall eine Rolle. Dieser besteht, wie jeder Kneipenfußballexperte weiß, aus den Unterkategorien Glück – beispielweise Schiedsrichterentscheidungen oder Pfostenschüsse à la Schweinsteiger – und Tagesform. Den Einfluss des Zufalls bei Spielen zwischen gleichstarken Mannschaften in der Bundesliga und in der Premier League beziffern Groll und Giezek nach Berechnungen des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts auf etwa 50 Prozent.
Egal wer gewinnt, die Zuschauer können sich jedenfalls auf viele schöne Tore freuen. Errechnet wurden insgesamt 85 Treffer und somit eine Steigerung des Toredurchschnitts auf 2,7 pro Spiel. Die durchschnittliche Trefferanzahl bei Europa- oder Weltmeisterschaftsspielen korrespondiert nämlich auffallend mit dem Toredurchschnitt der vorangegangenen Champions-League-Saison, belehren uns die Forscher. Dort wurden im jüngsten Wettbewerb, der für die Bayern so tragisch endete, 347 Tore in 125 Spielen geschossen (ohne Elfmeterschießen). Macht einen Schnitt von knapp 2,8 pro Spiel. Na also, kann losgehen!
Quellen: Universität Hohenheim und Deutsche Sporthochschule Köln via idw
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