Hier bin ich schön, hier bin ich Sein

 20. April 2018

Wieder mal unzufrieden mit Ihrem Körper? Dann stimmt Sie vielleicht ein kleiner Spaziergang durchs Grüne milder gegenüber Ihrem Erscheinungsbild. Sicher wird Ihnen die Bewegung guttun – doch schon allein der Anblick der Natur könnte im Kopf etwas zurechtrücken.

Britische Forscher haben jetzt in einer Serie von Experimenten gezeigt, dass bereits das Betrachten von Naturfotos (nicht jedoch von Stadtbildern) das Körperbild der studentischen Versuchsteilnehmer aufhellte. Dies bestätigte sich in zwei weiteren Versuchen, in denen die Teilnehmer nun echte Spaziergänge durch Londoner Parks oder Wohnviertel unternahmen. Einer natürlichen Umgebung ausgesetzt zu sein bewirkte, dass die Probanden ihren Körper positiver beurteilten, ihm mehr Respekt entgegenbrachten und rigide Vorstellungen von einer Idealfigur links liegen ließen.

Hauptautorin Viren Swami, Sozialpsychologin an der Anglia Ruskin University, führt diesen Effekt darauf zurück, dass eine natürliche Umgebung Menschen „physisch und mental von Situationen distanziert, in denen sie auf das äußere Erscheinungsbild fokussiert sind“. Eine natürliche Umwelt ziehe auf sanfte Weise unsere Aufmerksamkeit auf sich, so dass die Gedanken nicht mehr so sehr darum kreisen, wie wir gerade aussehen und bei anderen rüberkommen. Es könnte auch sein, so Swami, dass wir in einer natürlichen Umgebung unseren Körper als Teil eines größeren Ganzen sehen. Wir gehen sozusagen auf im Sein, das uns umgibt. Was zählt da schon die Ästhetik eines individuellen Leibs?

Um den schönen Körperversöhnungseffekt nicht gleich wieder zunichte zu machen, sollten Sie nun aber eines auf keinen Fall tun: sich unter einem 3D-Scanner betrachten. 101 Männer und Frauen, die in einer Studie an der Florida State University das dreidimensionale Abbild ihres Körpers von allen Winkeln begutachtet hatten, waren danach gar nicht so glücklich: Stimmung und Körperzufriedenheit sackten ab, und zwischen dem aktuellen und dem ideellen Selbstbild klaffte eine noch größere Lücke als sowieso schon. Böses Gerät!

Thomas Saum-Aldehoff

Zu den beiden Studien:
DOI: 10.1016/j.bodyim.2017.12.006
DOI: 10.1177/0887302X17749924

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