Frag lieber persönlich!

 23. Juni 2017

Wer von anderen etwas will, sollte direkt mit ihnen reden. Denn online gefragt sagen wir schneller „nein“ als im persönlichen Gespräch.

Wenn wir jemanden um einen Gefallen bitten, befürchten wir schnell, ein „Nein!“ zu hören. Doch wir unterschätzen unsere eigenen Überredungskünste: Häufig fühlen Menschen mit ihrem Gesprächspartner mit und wollen ihn nicht enttäuschen. Anders ist das, wenn wir per E-Mail kommunizieren, haben Psychologen jetzt herausgefunden: Anscheinend fällt es Menschen online leichter, nein zu sagen, als wir denken.

Die Wissenschaftler aus Kanada und den USA wollten wissen, wie Menschen ihre Überzeugungskraft online einschätzen. In zwei Studien sollten Studenten ihre Kommilitonen persönlich oder per E-Mail bitten, einen Fragebogen auszufüllen. Vorher sollten sie überschlagen, wie viele Personen zustimmen würden.

Während die persönlichen Bittsteller ihren Erfolg unterschätzten, waren die E-Mail-Schreiber viel zu optimistisch. Statt also unser Anliegen in einer Mail vorzubringen, sollten wir in Zukunft lieber direkt auf den anderen zugehen, schlussfolgern die Autoren. 

KATINKA REINER/SAC  

M. Mahdi Roghanizad, Vanessa K. Bohns: Ask in person: You’re less persuasive than you think over email. Journal of Experimental Social Psychology, 69, 3, 2017. DOI: 10.1016/j.jesp.2016.10.002

Dieser Beitrag ist in leicht veränderter Form in der Ausgabe 07/2017 von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Gekonnt überzeugen". Weitere Meldungen zu interessanten aktuellen Studien finden Sie im Heft unter anderem in den Rubriken Themen & Trends sowie Körper & Seele.

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