Bleiben oder gehen?

 18. Januar 2018

Bleiben oder gehen: Was spricht für die Beziehung, was dagegen?

Die vielen Macken gehen immer mehr auf den Keks, man ist sich einfach nicht mehr nah: Gründe, sich zu trennen, gibt es viele. Aber auch Gründe, zusammenzubleiben. Forscher haben diese Gründe jetzt genauer untersucht. 

Trennungen passieren selten von einem Tag auf den anderen – und meist gehen sie nicht nur mit Auseinandersetzungen einher, sondern auch mit einem intensiven Abwägen von Gründen: Was spricht dafür, was dagegen? Psychologen aus den USA und Kanada sammelten jetzt in einer Studie 27 solcher Gründe für eine Beziehung und 23 dagegen.

Zunächst fragten die Forscher Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die in ihrer Vergangenheit schon einmal über Trennung nachgedacht hatten. Fürs Bleiben sprachen aus Sicht dieser Probanden am häufigsten emotionale Nähe, emotionale Investitionen sowie familiäre Verpflichtungen. Auch die Persönlichkeit des Partners sowie Freude und Genuss wurden oft auf der Pro-Seite genannt. Bei den Trennungsgründen rangierte die Persönlichkeit des Partners auf Platz eins. Vertrauensbruch (etwa nach Untreue) und Rückzug des Partners wurden am zweit- und dritthäufigsten genannt. 

Für die zweite Studie rekrutierten die Forscher zwei Gruppen von Teilnehmenden, die genau zum Befragungszeitpunkt darüber nachdachten, entweder eine noch junge Beziehung oder eine mehrjährige Ehe zu beenden. Partner in der Datingphase nannten emotionale Nähe, Freude und Vergnügen sowie die Persönlichkeit des Partners als Gründe zu bleiben. Hingegen sahen die länger Verheirateten folgende Trennungshindernisse: Verantwortung, familiäre Verpflichtung, finanzielle Probleme, logistische Folgen wie etwa ein Umzug sowie Furcht vor der Ungewissheit. 

Zugleich fanden die Forscher bei mehr als der Hälfte der Probandinnen und Probanden starke Ambivalenz und innere Konflikte, weil sie Für und Wider gleichzeitig abwogen. Dies führte zu erheblichem Stress und übte Druck auf die Beziehungen aus, heißt es. Die Ambivalenz könnte auch erklären, warum so viele Menschen nach einer Trennung diese wieder rückgängig machen wollen, schreiben die Psychologen. Bei Bindungsängstlichen war dies am ausgeprägtesten.

SAC/AB

Samantha Joel u. a.: Wanting to stay and wanting to go. Social Psychological and Personality Science, 2017. DOI: 10.1177/1948550617722834

Dieser Beitrag ist in etwas abgewandelter Form in der Januar-Ausgabe von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Das erlaube ich mir! Die eigenen Wünsche ernst nehmen und endlich selbstbestimmt leben"

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