Oben lebt man länger
17. Mai 2013
Die Bewohner der oberen Stockwerke eines Hauses leben im Schnitt länger als ihre Nachbarn im Parterre. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Universität Bern. Wer in einem der oberen Stockwerke wohnt, hat ein deutlich niedrigeres Risiko, an Herzkreislauf- oder Lungenerkrankungen zu sterben als die Nachbarn, die weiter unten wohnen. Die Wissenschaftler vermuten den Grund in den sozialen Unterschieden der Bewohner.
Ein Team um den Epidemiologen Matthias Egger und seinen Doktoranden Radoslaw Panczak hat in einer groß angelegten Studie die Daten von 1,5 Millionen Menschen analysiert, die zum Zeitpunkt der schweizerischen Volkszählung im Jahr 2000 in einem Gebäude mit vier oder mehr Stockwerken wohnten. Die Forscher analysierten insgesamt 142.390 Todesfälle im Zeitraum von 2001 bis 2008.
Sowohl Herzkreislauf- als auch Lungenerkrankungen sind mit gesundheitsrelevantem Verhalten wie Rauchen, Ernährung und Bewegung verbunden. Egger vermutet, dass das unterschiedliche Sterberisiko zumindest teilweise mit dem sozioökonomischen Status der Bewohnerinnen und Bewohner der verschiedenen Stockwerke erklärt werden kann. In der Studie wurden einige dieser Faktoren wie Bildung, Nationalität und Beruf berücksichtigt, nicht bekannt sind allerdings das Einkommen und das Vermögen der Bewohner.
Die Forscher schließen auch nicht aus, dass das Leben in einem höheren Stock mehr Bewegung bringt und damit die Gesundheit verbessert. „Wer regelmäßig die Treppen zu seiner Wohnung erklimmt, tut etwas für seine Gesundheit“, sagt Egger. Allerdings dürfte für den Weg in die höheren Stockwerke doch meistens der Lift zum Einsatz kommen.
Nicht bei allen Todesursachen sind die Nachbarn in den höheren Stockwerken jedoch im Vorteil: Sie starben in der Zeit von 2001 bis 2008 deutlich häufiger als die Bewohner der untersten Stockwerke durch Sprünge aus großer Höhe in suizidaler Absicht. Gemäß Egger ist es unklar, ob dies allein an der Gelegenheit liegt. „Die Frage ist aber interessant für die Diskussion, ob die Verfügbarkeit einer Methode einen Einfluss auf die Suizidrate hat.“
Quelle: Universität Bern über idw
Originalstudie:
Radoslaw Panczak u. a.: High life in the sky? Mortality by floor of residence in Switzerland, European Journal of Epidemiology, 10654/ 2013. DOI: 10.1007/s10654-013-9809-8
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