Kennenlernen im Netz

 18. August 2017

Dich habe ich mir ganz anders vorgestellt: Enttäuschung und Abwertung kommen beim Onlinedating häufig vor. Quelle: Photocase

Sie haben online jemanden getroffen und Interesse an ihr oder ihm? Dann sollten Sie ein echtes Date nicht auf die lange Bank schieben – dies ist eine von mehreren Wahrheiten übers Onlinedating, die Forscher in einer Studie zusammenfassen

Virtuelle Datingplattformen und -apps boomen. Eine Forschergruppe der Hochschule Fresenius in Köln hat nun alle bisherigen Studienbefunde dazu gesammelt – und dabei Überraschendes zutage getragen.

Jugendliche Frauen, maskuline Männer 

Offenbar nutzen längst nicht nur Singles die Portale, stellen die Forscher fest. In einer Erhebung von 2016 entpuppte sich jeder fünfte Nutzer als vergeben, unter Tinder-Nutzern waren es sogar doppelt so viele. Sie suchten Affären, Seitensprünge oder zusätzliche Partner für eine offene Beziehung. Und weil Blicke, Gesten oder Geruch online nicht zum Tragen kommen, sind Fotos, Profiltexte und -namen wichtig. Frauen inszenieren sich laut einer Analyse eher als jugendlich und lächeln auf Bildern öfter als Männer. Männer wählen Bilder, die Maskulinität ausstrahlen und auf denen sie größer wirken. Ein No-Go für beide Seiten: Rechtschreib- und Grammatikfehler, das ergab eine ElitePartner-Umfrage.

Enttäuschungen vermeiden

Je mehr die Nutzer nur virtuell kommunizierten und je mehr Zeit zwischen erstem Kennenlernen im Netz und einem Treffen verging, umso weniger mochten die Partner das Gegenüber. Die Ursache: In den Köpfen entsteht schnell ein idealisiertes Bild vom anderen, das sich mit der Zeit verfestigt – dann ist Enttäuschung programmiert. Ernüchterung und Abwertung kommen generell beim Onlinedating häufig vor, darauf deuten Umfragen unter Nutzern hin. Viele legten eine Shoppingmentalität an den Tag, „da es ein Leichtes ist, wie in einem Katalog gezielt anhand bestimmter Wunschattribute zu filtern, zu testen und sich bei Nichtgefallen weiter umzuschauen“, schreiben die Kölner Forscher.

Und doch gehen aus dem virtuellen Geplänkel häufig Offlinebeziehungen oder gar Ehen hervor. Laut einer Umfrage unter rund 20 000 US-Amerikanern hat jede dritte Ehe ihren Ursprung im Internet. Die Onlinepaare waren sogar zufriedener mit ihrem Bund fürs Leben als jene, die sich in der Uni oder einer Bar kennengelernt hatten.

JANA HAUSCHILD/SAC

Wera Aretz u. a.: Date me if you can: Ein systematischer Überblick über den aktuellen Forschungsstand von Online-Dating. Zeitschrift für Sexualforschung, 30, 1, 2017. DOI: 10.1055/s-0043-101465 

Dieser Beitrag ist in leicht veränderter Form in der Ausgabe 09/2017 von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Wie tickt dieser Mensch?" (Menschenkenntnis).

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