Wer tanzen kann, kann auch mitfühlen

 24. Februar 2017

Tänzer sind emotional empfindsamer als andere. Darauf lässt eine Studie an der City University of London und der Universität der Balearen schließen. Tänzer nehmen demnach ihre Gefühle nicht nur besser wahr, sondern ihr Körper reagiert auch empfindsamer auf dargestellte Gefühlsregungen.

Die Forscher haben 19 Probanden, die selbst Balletttänzer waren, und 24 Personen ohne Tanzerfahrung kurze Videoclips von Balletttänzen gezeigt: echte Liveauftritte in schwarz-weiß und ohne Ton. Der Gesichtsausdruck der Tänzer war in den Clips unkenntlich gemacht. Der Tanz drückte entweder Freude oder Traurigkeit aus. Wie sich herausstellte, identifizierten zwar sowohl die Tänzer als auch die ungeübten Beobachter den dargestellten Gefühlsausdruck korrekt. Die Tänzer reagierten jedoch emotional viel stärker darauf. Dies zeigte sich anhand ihrer Schweißreaktion während des Betrachtens, die von Elektroden an ihren Fingerkuppen aufgezeichnet wurde.

Die Studie legt nahe, dass ein Training des körperlichen Ausdrucks von Gefühlen – etwa über den Tanz – auch die Empfindsamkeit gegenüber Emotionen erhöht, die von anderen ausgedrückt werden. Menschen mit autistischen Zügen, die sich mit dem Einfühlen in andere Menschen schwertun, könnten also womöglich von einem Tanztraining profitieren.

Julia F. Christensen u.a.: Dance expertise modulates behavioral and psychophysiological responses to affective body movement. Human Perception and Performance, 42/8, 2016. DOI: 10.1037/xhp0000176
 

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