Witzigkeit im Job kennt (keine) Grenzen

 17. März 2017
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Humor ist im Job kein einfaches Terrain (Foto: Getty)

Wer am Arbeitsplatz gerne den Clown gibt, sollte sich zuvor vergewissern, dass sein Humor mit dem der Kollegen übereinstimmt: Gute Witze befördern die Karriere. Unpassende können ihr schaden.

Sinn für Humor hilft bei der Karriere – wenn es denn der richtige Humor ist. Was jeder fürchtet, der vor Kollegen schon mal den einen oder anderen Scherz gerissen hat, der nicht ganz so gut ankam, haben der amerikanische Psychologe T. Bradford Bitterly und sein Team nun wissenschaftlich bestätigt. In acht Experimenten stellten sie fest: Unpassende Witze können für einen Möchtegern-Komiker im Job enormen Schaden anrichten.

So stuften Teilnehmer der Untersuchung humorvolle Kollegen zwar als selbstsicherer und kompetenter ein und hielten diese auch eher für geeignet, eine Führungsposition zu übernehmen. Doch ein langweiliger oder unangemessener Witz wurde schnell bestraft: Amüsierten sich die Zuhörer nicht, verlor der Witzeerzähler an Ansehen, Status und Einfluss. Fanden sie einen Witz, der eigentlich deplatziert war, immerhin lustig, fiel ihr Urteil nicht ganz so hart aus.

Wer einen unpassenden Scherz erzählt, riskiert also, als inkompetent zu gelten und damit seinem Status zu schaden – gleichgültig, ob der Witz die Zuhörer zum Lachen gebracht hat oder nicht. Die Wissenschaftler schließen aus den Ergebnissen, dass Humor die sozialen Beziehungen und Hierarchien in Gruppen prägt: Wer andere mit dem richtigen Witz zum Lachen bringt, wirkt selbstsicher und kompetent und kann so seinen Status erhöhen. Im Zweifel sollte man bei Karriereambitionen einen ulkigen Spruch aber lieber für sich behalten.

Katharina Wetzel/ EMT

T. Bradford Bitterly u.a.: Risky business: When humor increases and decreases status. Journal of Personality and Social Psychology, 112/3, 2017, 431–455. DOI: 10.1037/pspi0000079 (Abstract)

 

Dieser Beitrag ist in leicht veränderter Form in der Ausgabe 04/2017 von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Lebenskunst – Was wir von den alten Philosophen für unseren Alltag lernen können". Weitere Meldungen zu interessanten aktuellen Studien finden Sie im Heft unter anderem in den Rubriken Themen & Trends sowie Körper & Seele.

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