Wertvolle Traurigkeit

17. März 2016
 

Wohl niemand ist gerne traurig oder wütend. Manche Emotionen sind einfach unangenehm. Trotzdem ist es sinnvoll, ihnen grundsätzlich einen Wert beizumessen. Zu diesem Schluss kommen Psychologen um Gloria Luong vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Frühere Befunde hatten ein häufiges Auftreten negativer Emotionen mit einem höherem Risiko für physische und psychische Probleme in Verbindung gebracht. Doch Luong und ihre Kollegen haben nun vorgeführt, dass dieser Zusammenhang nicht grundsätzlich gilt.

Die Wissenschaftler untersuchten 365 Versuchspersonen im Alter von 14 bis 88 Jahren aus Deutschland. Drei Wochen lang füllten die Probanden sechs Mal täglich einen Fragebogen auf ihrem Smartphone aus. Die Freiwilligen berichteten, welche Emotionen sie zuletzt erlebt hatten und wie sie ihr körperliches Wohlbefinden gerade wahrnahmen. Zudem wurde der Händedruck getestet – ein leicht zu messendes Zeichen für Gesundheit. Nicht zuletzt fragten die Wissenschaftler, ob jemand unangenehmen Emotionen einen Sinn beimaß. Beispielsweise kann Ekel davor schützen, verdorbene Speisen zu essen.

Die Auswertungen zeigten: Wer einen Wert in unangenehmen Emotionen sah, litt weniger unter körperlichen oder psychischen Auswirkungen. Luong und ihre Mitstreiter vermuten, dass ein Akzeptieren dieser negativen Gefühle dazu führt, dass sie weniger intensiv auftreten und deshalb weniger belastend wirken.

JK

Gloria Luong u. a.: When bad moods may not be so bad: Valuing negative affect is associated with weakened affect – health links. Emotion, online vor Print, 2015. DOI: 10.1037/emo0000132 (Abstract)

 

Dieser Beitrag ist in der Ausgabe 04/2016 von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Mitten im Leben – was es heute heißt, erwachsen zu sein".

Lesen Sie mehr zum Thema negative Emotionen in diesem Beitrag von Wilhelm Schmid: Vom Glück des Unglücklichseins

 

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