Ich grüble, also spreche ich!

01. Juni 2012
 

Grübeln kennt jeder: Die Gedanken kreisen um ein bestimmtes Thema, um ein Problem, doch man gelangt zu keiner Lösung. Die Überlegungen drehen sich im Kreis. Solche Grübeleien kosten nicht nur Zeit, sie verderben einem häufig auch die Stimmung. Menschen mit einem starken Hang zum Grübeln neigen zu Schlafstörungen und Depressionen. Sie können die unerwünschten Gedanken einfach nicht abstellen. Doch auch gesunde Menschen können in unterschiedlichem Maße von Grübeleien befallen werden.

Die Psychologin Simone Kühn, Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, ist nun der Frage nachgegangen, was im Kopf von Menschen vor sich geht, die besonders häufig zum Grübeln neigen. Sie ging dabei insbesondere der Frage nach, ob und wie das „innere Sprechen“ beim Grübeln mit dem „richtigen“ Sprechen zusammenhängt. Braucht der Gedanke immer das Wort? In der Philosophie ist der Zusammenhang zwischen dem Denken und der Sprache vielfach diskutiert worden.

In ihrer Studie, die jetzt in dem Fachmagazin Social Cognitive and Affective Neuroscience veröffentlicht wurde, untersuchte Kühn, ob Personen, die nach eigenen Angaben häufig grübeln, eine entsprechend höhere Aktivität in denjenigen Hirnregionen aufweisen, die für die Sprachproduktion zuständig sind. In einer lang angelegten Kognitionsstudie namens COGITO wurden jüngere (20 bis 32 Jahre) und ältere Probanden (65 bis 80 Jahre) in 100 Sitzungen über einen Zeitraum von sechs Monaten zum Ausmaß ihres Grübelns an jenen Tagen befragt. Diese Daten wurden als Tendenz zum Grübeln gemittelt und mit der Hirnaktivierung der jeweiligen Probanden während einer kognitiven Aufgabe vor und nach den sechs Monaten in Verbindung gebracht.

„Es zeigte sich, dass Probanden mit einer ausgeprägten Tendenz zum Grübeln eine stärkere Aktivität in bestimmten Hirnregionen während der Pausen zwischen den kognitiven Aufgaben aufwiesen“, berichtet Kühn. Diese Hirnregionen, in denen Grübler stärkere Aktivität zeigten, der linke inferiore frontale Gyrus und der cinguläre Cortex, seien bisher vor allem mit gesprochener Sprache oder mit stiller innerer Rede und mit Konflikten in Verbindung gebracht worden, so Kühn weiter.

Aus diesen Befunden leiten die Forscherin und ihr Team ab, dass Grübeleien oder sogenannte intrusive, also unerwünschte Gedanken, die sich nicht abstellen lassen, in einem sprachähnlichen Format ähnlich der inneren Rede Ausdruck finden. In gewisser Weise ist diese Art von Denken also tatsächlich inneres Sprechen.

Quelle: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung via idw

Lesen Sie zum Thema Grübeln und was dagegen hilft auch den Artikel „Machen Sie sich nicht so viele Gedanken!“ von Susan Nolen-Hoeksema in Psychologie Heute.

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