Irgendwann denken alle so wie ich

16. November 2017
 

„Natürlich hab ich recht!“, denken wir bisweilen. Und, wie Forscher jetzt herausgefunden haben, glauben wir auch, dass sich unsere Meinung irgendwann durchsetzen wird. Doch dieser Optimismus hat nicht nur positive Auswirkungen. 

Häufig sind wir anderer Meinung als unsere Mitmenschen, etwa bei Fragen zu Politik und Wissenschaft. Doch wenn wir unsere eigene Sichtweise für richtig und objektiv halten, neigen wir zugleich zu einem Denkfehler, fanden Psychologen jetzt heraus: Wir sind überzeugt davon, dass auch andere die Dinge eines Tages so sehen werden wie wir selbst. US-amerikanische Forscher bestätigten das Phänomen in mehreren Experimenten mit Teilnehmern aus den USA, China und Europa und nennen es „belief in a favorable future“ (BFF).

„BFF ist in kollektivistischen Kulturen wie China, in denen der Konsens eine zentrale Rolle spielt, vermutlich ausgeprägter als in individualistischen“, so das Team. Die Forscher stellten außerdem fest, dass dieser Glaube an eine für uns günstige Zukunft eine Schattenseite hat: „Weil der Einzelne glaubt, seine Meinung werde sich ohnehin durchsetzen, ist er politisch und gesellschaftlich weniger engagiert.“ Menschen verharren dann womöglich in einer unzuträglichen Situation und denken irrtümlicherweise, der andere ändere später einmal seine Meinung, heißt es.

ANNA GIELAS/AB

Todd Rogers u. a.: The belief in a favorable future. Psychological Science, 2017. DOI: 10.1177/0956797617706706 

 

Dieser Beitrag ist in etwas abgewandelter Form in der aktuellen Dezember-Ausgabe von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Beziehungsfähig! Jeder Mensch hat das Potenzial, mit einem anderen glücklich zu werden"

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