„Egoisten sind nicht glücklicher als andere“

28. Juni 2013
 

Schon Platon wusste: Egoisten sind nicht glücklicher als andere Menschen. „Wer immer nur an sich denkt und auf Kosten anderer lebt, hat schlechtere Chancen auf Zufriedenheit. Das haben verschiedene, auch internationale Untersuchungen übereinstimmend gezeigt“, bestätigte Philosoph Kurt Bayertz von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster jüngst bei einem Vortrag im Rahmen des Programms Münsters Wissen schafft.

Selbstloses Handeln wie Ehrenämter und freiwilliges Engagement führten dagegen zu mehr Wohlergehen. „Das heißt nicht, dass man sich zwischen Yogakurs und Ehrenamt entscheiden muss. Im Gegenteil: Was man für sich selbst tut, kann Kraft für selbstloses Handeln geben.“
Allerdings fallen Glück und Moral nicht immer – und nicht notwendigerweise – zusammen: Unter bestimmten Bedingungen kann unmoralisches Handeln das eigene Glück fördern, wie Bayertz erläuterte. Ein moralischer Mensch könne allerdings auch Pech haben und Einbußen an Lebensqualität erleiden. Doch insgesamt würden die Chancen auf ein gutes Leben durch moralisches Handeln nicht vermindert, sondern erhöht. „Je mehr ein Mensch für andere tut, desto besser geht es ihm.“

Das ergaben dem Experten zufolge verschiedene sozialpsychologische Studien, etwa eine Langzeituntersuchung deutscher Psychologen, die zwischen 1985 und 1999 insgesamt 22.000 Menschen nach ihrer Lebenszufriedenheit und ehrenamtlichen Tätigkeiten befragt hatten.

Dennoch sei die Vorstellung, dass Moral nicht glücklich macht, heute erstaunlich weit verbreitet, so Bayertz. „Die Moral erlegt uns Lasten auf. Sie verlangt Opfer, die der Zufriedenheit nach gängiger Auffassung nur abträglich sein können.“ Doch Philosoph Platon habe die Verbindung von Glück und Moral bereits in der griechischen Antike gekannt. Sein Schüler Aristoteles lieferte die Begründung: „Nach aristotelischer Ethik zeichnet sich ein gutes und glückliches Leben durch Tätigkeiten aus, die um ihrer selbst willen vollbracht werden – weil man sie für eine gute Sache hält.“ Das treffe auch auf moralisches Handeln zu und sei ein Grund dafür, dass es nicht nur fremdes, sondern auch das eigene Glück fördere. Augenzwinkernd fügte Bayertz hinzu: „Wer den ganzen Tag in der Hängematte liegt, wird nicht glücklich.“

Quelle: Westfälische Wilhelms-Universität Münster über idw

http://www.muensters-wissen-schafft.de

 

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