Nur ein Objekt?

21. Juli 2017
 

Sie haben das Gefühl, jemand sieht in Ihnen nur ein nützliches Werkzeug? Oder ein Sexobjekt? Möglicherweise sind Sie schon dabei, diese Herabsetzung selbst zu glauben, wie eine Studie zeigt.

Wenn Chefs in ihren Mitarbeitern nur Arbeitsmaschinen sehen oder Männer in Frauen vor allem Sexspielzeuge, rauben sie ihnen ihre Menschlichkeit. Denn die Betroffenen verinnerlichen diese Herabwürdigung, wie Forscher aus Großbritannien und Italien in zwei Untersuchungen zeigten.

In der ersten berichteten rund 100 Frauen von Situationen, in denen andere sie nur nach ihrem Äußeren, nicht nach ihrer Persönlichkeit beurteilt hatten, etwa in der Diskothek. Davor und danach sollten sie sich selbst in einigen persönlichen Eigenschaften einschätzen. Tatsächlich bewerteten sie sich als weniger warmherzig und weniger kompetent, nachdem sie sich daran erinnert hatten, wie andere sie als Objekte betrachteten.

Die zweite Untersuchung verlief nach dem gleichen Muster. Diesmal erinnerten sich 62 Männer und Frauen an eine Arbeitssituation, in der ihr Chef oder eine Tätigkeit ihnen das Gefühl gegeben hatte, nur ein Werkzeug oder eine Maschine zu sein, etwa wenn eine Aufgabe sehr stark von außen gesteuert wurde. Auch ihre Selbstwahrnehmung veränderte sich dadurch: Sie hielten sich ebenfalls für weniger warmherzig und kompetent – und für weniger menschlich.   

JANA HAUSCHILD/SAC 

Steve Loughnan u. a.: Internalizing objectification: Objectified individuals see themselves as less warm, competent, moral, and human. British Journal of Social Psychology, online first. DOI: 10.1111/bjso.12188 

Dieser Beitrag ist in leicht veränderter Form in der Ausgabe 08/2017 von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Ich lass mir Zeit!".

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