Schicksalsglaube macht Trauer erträglicher
Manchmal ist es von Vorteil, an das Schicksal oder an Zufälle im Leben zu glauben. Vor allem in Phasen der Trauer, etwa nach dem Tod eines geliebten Menschen, hilft der Schicksalsglaube Betroffenen, über diese schlimme Zeit hinwegzukommen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Psychologen der Universitäten Münster und Mainz. Die Wissenschaftler haben die Erfahrungen von Menschen analysiert, die ihren Partner verloren haben. „Der Tod eines nahestehenden Menschen ist eines der einschneidendsten Ereignisse im Leben der Betroffenen und bedeutet eine enorme Belastung“, sagt Studienleiterin Jule Specht.
„Menschen unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Reaktion auf den Tod ihres Partners. Eine Ursache dafür liegt in der grundsätzlichen Lebenseinstellung, also was sie ganz allgemein als Ursache für Ereignisse in ihrem Leben ansehen: das eigene Verhalten oder unbeeinflussbare Faktoren wie Zufall oder Schicksal.“ Für ihre Studie begleiteten die Wissenschaftler 414 Frauen und Männer neun Jahre lang nach dem Tod ihres Partners. Es zeigte sich, dass die allgemeine Lebenszufriedenheit der Verwitweten durch den Einschnitt stark abfiel und selbst vier Jahre nach dem Tod noch deutlich geringer war als vorher.
Die Lebenszufriedenheit derjenigen, die glaubten, dass nicht sie selbst, sondern der Zufall oder das Schicksal ihr Leben beeinflusst, sank allerdings deutlich weniger stark. Sie wurden also in bedeutend geringerem Umfang durch das Ereignis beeinträchtigt.
Dies ist aus Sicht der Psychologen umso interessanter, als frühere Studien gezeigt haben, dass es häufig von Nachteil ist, an das Schicksal zu glauben. So sind schicksalsgläubige Menschen generell unzufriedener mit ihrem Leben, weniger erfolgreich im Beruf und häufiger krank. „Unser Ergebnis zeigt nun, dass der Glaube an das Schicksal nicht nur Nachteile mit sich bringt, sondern in bestimmten Situationen auch vorteilhaft sein kann“, sagt Specht.
Menschen, die an Schicksal oder Zufall glauben, kommen nach Ansicht der Forscher möglicherweise besser zurecht, weil sie akzeptieren, dass es im Leben unbeeinflussbare Faktoren gibt: „Ihre Lebenseinstellung wirkt also wie eine Art Schutzfaktor“, meint die Wissenschaftlerin. „Menschen jedoch, die diese Einflussmöglichkeiten unterschätzen, müssen nicht nur den Tod des Partners bewältigen, sondern sie stellen darüber hinaus wahrscheinlich auch ihre Weltanschauung in Frage.“
Von Anke Römer Quelle: idw
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