Das geht ins Ohr!

02. Februar 2017
 

Wer kennt das nicht? Morgens beim Frühstück hört man im Radio einen aktuellen Popsong, und ungewollt trällert man den Nummer-1-Hit den ganzen Tag vor sich hin. Kollegen im Büro verdrehen genervt die Augen, und auch man selbst will den Ohrwurm wieder aus dem Kopf kriegen. Doch welche Songs halten sich besonders gut im Gedächtnis? Bislang waren Forscher der Meinung: Ob ein Titel sich in unseren Köpfen festsetzt oder nicht, kann ganz unterschiedliche Gründe haben, zum Beispiel wie bekannt ein Lied ist oder wann wir es das letzte Mal gehört haben. Psychologen von Universitäten in London, Tübingen und Aarhus wollten das genauer verstehen.

Sie fragten 3000 Personen in Großbritannien, von welchem Ohrwurm sie zuletzt geplagt wurden und welchen sie besonders oft im Kopf haben. Dann untersuchten sie, wie sich die Melodien der 100 am häufigsten genannten Songs von 100 anderen aus dem Untersuchungszeitraum 2012 und 2013 unterschieden, die die Probanden nicht angegeben hatten. Noch neue Titel und jene, die besonders hoch und lange in den Charts platziert waren, blieben Versuchspersonen öfter unfreiwillig im Gedächtnis. Ganz oben auf der Liste standen Bad Romance von Lady Gaga und, passenderweise, Can’t Get You Out of My Head von Kylie Minogue.

Ohrwürmer bestehen meist aus typischen Popsongklängen

Laut den Autoren folgen diese Melodien bestimmten Mustern: Schnellere Songs merkt sich unser Gehirn demnach besser als langsamere Titel. Meistens bestehen die Ohrwürmer zudem aus typischen Popsongklängen, die in leichten Bögen erst nach oben und dann wieder nach unten gehen. Der berühmte Gitarrenriff am Anfang von Smoke on the Water von Deep Purple zum Beispiel entspricht diesen klassischen Regeln.

Durch große Sprünge von einem hohen zu einem tiefen Ton oder umgekehrt erkennen wir Stücke außerdem besser wieder. Starke Gefälle in der Melodie geben Songs offenbar einen außergewöhnlichen Touch, sodass sie sich in unseren Köpfen festsetzen. Wenn Musiker also beim Komponieren ihrer Lieder bestimmte Regeln beachten, haben sie gute Chancen, die Charts zu stürmen – und uns den nächsten Ohrwurm zu bescheren, so die Autoren.

Katinka Reiner / AB

 

Kelly Jakubowski u.a.: Dissecting an earworm: Melodic features and song popularity predict involuntary musical imagery. Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts, 2016, online vor Print. DOI: 10.1037/aca0000090

Dieser Beitrag ist in etwas abgewandelter Form in der aktuellen Februar-Ausgabe von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Schon in Ordnung! Warum wir in unserem Leben ein bisschen Chaos brauchen".

 

 

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