Selbstbewusste Beobachter

22. September 2017
 

Ertappen Sie sich manchmal dabei, wie Sie andere anstarren? Womöglich sind Sie dabei überzeugt, dass diese Sie umgekehrt gar nicht wahrnehmen, als trügen Sie eine Tarnkappe. Sie könnten sich irren, fanden Psychologen heraus.

Der falsche Eindruck, dass wir andere in stärkeren Ausmaß beobachten als sie uns, geht auf einen systematischen Denkfehler zurück, die sogenannte Tarnkappenillusion (invisibilitycloak illusion). US-amerikanische Forscher fanden diese kognitive Verzerrung in sechs Studien mit mehr als1200 Probanden. Der Grund: „Wir ertappen andere Leute nur selten dabei, wie sie uns beobachten, hauptsächlich weil sie rechtzeitig wegschauen – schließlich gehört es sich nicht, eine Person anzustarren“, schreiben die Forscher. „Und weil wir nur Zugriff auf das eigene Innenleben haben,schließen wir daraus zu Unrecht, dass wir andere mehr beobachten als sie uns.“

Selbstsicheres Auftreten  

Warum tun wir das? Die Fehlannahme verhilft uns womöglich zu einem sicheren, selbstbewussteren Auftreten, so die Psychologen. Denn der Gedanke,dass wir mehr Informationen über unsere Mitmenschen besitzen als sie über uns, suggeriert Kontrolle.

 

 

ANNA  GIELAS/SAC

Erica Boothby u. a.: The invisibility cloak illusion: People (incorrectly) believe theyobserve others more than others observe them. Journal of Personality and SocialPsychology, 2017, 112, 4, 589–606. DOI: 10.1037/pspi0000082

Dieser Beitrag ist in etwas abgewandelter Form in der aktuellen Oktober-Ausgabe von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Narzissten: Was geht in ihnen vor? Wie kann man mit ihnen leben?"
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