Darum fühlen wir uns bei Problemen oft allein

09. Februar 2017
 

In Problemsituationen neigen wir dazu, nur das Negative zu sehen. Niemand unterstützt uns! Nichts kann uns helfen! Tatsächlich schauen wir häufig nur nicht richtig hin.

Wenn uns große Anstrengungen erwarten oder wir mit unvorhergesehenen Schwierigkeiten konfrontiert sind, verlieren wir aus den Augen, wer oder was uns dabei unterstützen könnte. Dies ist das Fazit einer Studie der amerikanischen Sozialpsychologen Shai Davidai und Thomas Gilovich.

Wir sind demnach so intensiv mit der Lösung unserer Probleme beschäftigt, dass wir vergessen, über welche hilfreichen Ressourcen wir verfügen und verfügen könnten. Das hat Folgen: Mit Problemen konfrontiert, neigen wir sogar dazu, unfair zu werden.

Das fanden Davidai und Gilovich in sieben Studien heraus. In allen diesen Untersuchungen glaubten die Teilnehmer stets, dass andere es wesentlich leichter hätten als sie selbst, und gaben an, sich "vom Schicksal" ungerecht behandelt zu fühlen.

Verzerrte Wahrnehmung und Bewertung

So antworteten die Probanden bei einer der Untersuchungen beispielsweise auf die Frage, ob ihre Eltern es ihnen oder ihren Geschwistern schwerer gemacht hätten, überdurchschnittlich oft, sie selbst seien die stärker Benachteiligten gewesen. Ob sie jüngere oder ältere Geschwister hatten, spielte dabei keine Rolle.

Die Forscher nennen dieses Phänomen der verzerrten Wahrnehmung und Bewertung die "Gegenwind/ Rückenwind-Asymmetrie". Es sei wie beim Fahrradfahren: Gegenwind stört und nervt uns, wir wollen ihn loswerden. An den Rückenwind, der uns mit ebensolcher Kraft antreibt, gewöhnen wir uns dagegen rasch, sodass wir nicht mehr bemerken, wie er uns voranbringt.

SAC/ EMT

Shai Davidai, Thomas Gilovich: The headwinds/tailwinds asymmetry: An availability bias in assessments of barriers and blessings. Journal of Personality and Social Psychology, 111/6, 2016, 835–851. DOI: 10.1037/pspa0000066 (Abstract)

 

Dieser Beitrag ist in leicht veränderter Form in der Ausgabe 03/2017 von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Schwäche zeigen!".

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