Erkenne dich selbst!

14. September 2017
 

Wenn wir einen Fehler gemacht haben, bekommen wir es manchmal zu hören: „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.” Doch der Spruch enthält nicht nur Spott, sondern auch eine Lebensweisheit: Selbsterkenntnis ist eine zentrale soziokognitive Fähigkeit, die psychologische Gesundheit und soziale Intelligenz fördert. Eine deutsch-amerikanische Forschergruppe hat dies empirisch bestätigt: Wer seine eigenen inneren Anteile besonders gut identifizieren kann – vor allem auch die negativen –, ist im Vorteil, wenn es darum geht, die Gefühle, Intentionen und Beweggründe anderer Menschen zu verstehen. Wie die Studie außerdem zeigt, ist es möglich, uns selbst besser kennenzulernen.

Drei Monate lang versuchten die Studienteilnehmer, zwischen 20 und 55 Jahre alt, in diversen Meditationstrainings eigene kognitive Muster mit Abstand zu betrachten. Außerdem übten sie, mindestens sechs Anteile des Selbst zu identifizieren. Zu diesen Subpersönlichkeiten können zählen: „der innere Manager“, „der Feuerwehrmann“, „die glückliche Prinzessin“ oder „das enthusiastische Kind“.

In einer Partnerübung ging es dann darum, zu erkennen, welcher Selbstanteil beim Gegenüber gerade aktiv war. Dazu berichtete jeweils ein Übungspartner dem anderen von einem Erlebnis am Vortag und nahm dabei einen der Selbstanteile ein. Ergebnis: Je besser die Probanden ihre eigenen inneren Anteile erkannten, desto präziser erfassten sie auch, was in den Partnern gerade vorging.

Größeres Verständnis für andere Menschen

Die Forscher nehmen an, dass es zum größeren Verständnis für das Gegenüber kommt, wenn Menschen neue, vor allem auch schwierige Aspekte ihres eigenen Selbst entdecken und so zu einem differenzierten Bild anderer Menschen kommen. Förderlich sei auch, wenn Menschen sich selbst und andere als Wesen mit vielen Facetten begreifen, die je nach Situation unterschiedlich stark zur Wirkung kommen.

Birgit Schreiber

Anne Böckler u. a.: Know thy selves: Learning to understand oneself increases the ability to understand others. Journal of Cognitive Enhancement, 2017. DOI: 10.1007/s41465-017-0023-6

Dieser Beitrag ist in etwas abgewandelter Form in der aktuellen Oktober-Ausgabe von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Narzissten: Was geht in ihnen vor? Wie kann man mit ihnen leben?"

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