Wie Lügen zur Gewohnheit wird

09. März 2017
 

Missetäter vom unehrlichen Forscher bis zum Milliardenbetrüger starten oft mit kleinen Gaunereien und wagen sich erst dann an große Schandtaten. Das könnte eine tief in unserer Biologie verankerte Grundlage haben: den Gewöhnungseffekt. Dies zeigte jetzt ein Psychologenteam, zu dem auch der bekannte Betrugsforscher und Bestsellerautor Dan Ariely von der amerikanischen Duke University gehörte.

Mit einem Hirnscanner maßen die Forscher bei schwindelnden Versuchspersonen die Reaktionen bestimmter Areale der sogenannten Mandelkerne, die dazu beitragen, dass unangenehme Gefühle entstehen. Je öfter die Probanden logen, desto weniger „bestraften“ ihre Mandelkerne sie dafür. Und umso dreister logen die Untersuchten in der nächsten Runde.

Diese bedenkliche Eskalation zeigten die Probanden aber nur, wenn sie zum eigenen Vorteil gegen die Moral verstießen. Eigentlich war es ihre Aufgabe, einem angeblichen Teamkollegen möglichst genaue Schätzungen zu liefern, wie viele Pennymünzen sie in einem Glas sahen. In manchen Versuchsbedingungen konnten sie aber mehr Geld für sich gewinnen, wenn sie falsche Angaben machten.

Jochen Paulus / AB

 

Neil Garrett u._a.: The brain adapts to dishonesty. Nature Neuroscience, 19/12, 2016, 1727–1732. DOI: 10.1038/nn.4426 (Abstract)

 

Dieser Beitrag ist in etwas abgewandelter Form in der aktuellen April-Ausgabe von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Lebenskunst – Was wir von den alten Philosophen für unseren Alltag lernen können".

 

 

 

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