Wer imitiert, fühlt mit

11. August 2017
 

Nachmachen fördert die Verständigung: Sich in andere einzufühlen gelingt besser, wenn man ihre Mimik kopiert.

Finden Sie es schwierig, die Emotionen anderer zu deuten? Dann sollten Sie vielleicht einfach ihre Mimik imitieren. Dieser simple Trick scheint erstaunlich gut gegen die sogenannte Gefühlsblindheit zu helfen. In diese Richtung deutet zumindest eine aktuelle Untersuchung von Psychologen aus Großbritannien.

Die Forscher von der Cardiff University zeigten Studenten insgesamt 144 Fotos von Gesichtern mit einem glücklichen, traurigen, ängstlichen, ärgerlichen, angeekelten oder überraschten Ausdruck. Die Teilnehmer sollten den Bildern die passenden Gefühlsregungen zuordnen.

Das machten sie zweimal. Beim zweiten Durchlauf wurde die Hälfte von ihnen allerdings gebeten, zuvor die Mimik der abgebildeten Person nachzuahmen. Mit Erfolg: Die Trefferquote dieser Probanden erhöhte sich gegenüber jener im ersten Durchgang deutlich.

Mimikry für ein besseres Miteinander

Studien zufolge tendieren viele Menschen unbewusst dazu, den Gesichtsausdruck ihres Gegenübers zu kopieren. Das wird einerseits als unbewusst eingesetztes Mittel gedeutet, die soziale Verbundenheit zum Gegenüber zu fördern. Andererseits könnte es dem Einzelnen aber auch schlicht helfen, die Stimmung des anderen durch eigenes körperliches Nachempfinden zu erkennen.

Menschen mit Autismus zeigen dieses Mimikry-Verhalten deutlich seltener. Möglicherweise ist das ein Grund, warum es ihnen oft schwerer fällt, sich in ihre Mitmenschen einzufühlen. Gerade ihnen könnte es helfen, die Mimik anderer bewusst zu imitieren: In dem Experiment profitierten die Studenten umso stärker, je deutlicher bei ihnen autistische Züge ausgeprägt waren.

FRANK LUERWEG/EMT

Michael B. Lewis, Emily Dunn: Instructions to mimic improve facial emotion recognition in people with sub-clinical autism traits. The Quarterly Journal of Experimental Psychology, 70/11, 2017, 2357–2370. DOI: 10.1080/17470218.2016.1238950 (Abstract)

 

Dieser Beitrag ist in leicht veränderter Form in der Ausgabe 09/2017 von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Wie tickt dieser Mensch?" (Menschenkenntnis).

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