Wie stellen Sie sich dar?

19. Oktober 2017
 

Manche Menschen prahlen, indem sie sich scheinbar bescheiden präsentieren. Das kann nerven. Solche und andere ungeeignete Strategien der Selbstdarstellung stellen Psychologen in einer Studie vor.

Jeder von uns will gern gut dastehen, im Arbeitsleben, in der Familie, unter Freunden. Funktioniert es mal nicht, rechtfertigen wir uns gern damit, für einen Moment die Kontrolle verloren zu haben. Doch in einem Forschungsüberblick kommen Psychologen zu einem anderen Schluss: Viele von uns wenden eine falsche Strategie an, wenn sie einen ungünstigen Eindruck machen – und das freiwillig. Die Psychologen führen vier solcher Strategien auf.  

Die erste ist das anmaßende Auftreten. Diese Selbstdarsteller wollen sich mit ihrer Botschaft selbst aufwerten: „Ich kann besser kochen als andere.“ Wer so redet, wirkt feindselig und wird abgelehnt. Als äußerst ungünstig gilt zweitens das sogenannte humblebragging. Damit ist gemeint, dass Menschen prahlen, indem sie sich bescheiden präsentieren oder vorgeben, unzufrieden mit sich selbst zu sein. Doch das wird schnell durchschaut und gilt als besonders unglaubwürdig. Drittens kommt Scheinheiligkeit nicht gut an, etwa wenn jemand vorgibt, etwas Besseres zu sein, als er ist. Und als vierte schlechte Strategie nennen die Autoren „zweischneidige Komplimente“, etwa so: „Für eine Praktikantin sind Sie wirklich smart.“ Das eigentliche Ziel ist hier, den eigenen Status zu sichern. So Angesprochene merken sofort, dass sie herabgesetzt werden. 

Warum wenden Menschen solche ungeeigneten Strategien an? Oft sind sie sich nicht im Klaren darüber, denn andere geben ungern negatives Feedback, umso mehr, wenn sie uns nicht gut kennen. Eher distanzieren sie sich, als dass sie kritisieren. Wer also eine angemessene Rückmeldung braucht, ob er oder sie tatsächlich so gut ankommt wie vermutet, sollte lieber Nahestehende fragen. 

SAC 

Janina Steinmetz u. a.: Impression mismanagement: People as inept selfpresenters. Social and Personality Psychology Compass, 11, 6, 2017. DOI: 10.1111/spc3.12321

Dieser Beitrag ist in etwas abgewandelter Form in der aktuellen November-Ausgabe von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Selbstsabotage: Warum Sie sich manchmal selbst im Weg stehen und was Sie dagegen tun können"

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