Warum Eltern die Namen ihrer Kinder verwechseln

08. Dezember 2016
 

Wer Geschwister hat, kennt das vermutlich nur zu gut: Eltern bringen gerne die Namen ihres Nachwuchses durcheinander. Bisweilen brauchen sie mehrere Anläufe, bis der richtige dabei ist. Ein Ausdruck mangelnder Zuneigung ist das laut einer aktuellen Studie aber nicht.

Das Kind beim Namen zu nennen, ist eine schwierige Angelegenheit – besonders, wenn es mehrere Geschwister hat. Nicht nur Eltern verhaspeln sich bei dem Versuch gerne und finden manchmal erst nach mehreren Anläufen die richtige Bezeichnung für den kleinen Menschen vor ihnen. Doch selbst wenn der Name des Familienhundes in der Reihe falscher Anreden vorkommen sollte, ist das nicht unbedingt ein Hinweis auf mangelnde Aufmerksamkeit für oder Zuneigung zum Kind (oder Tier).

Tatsächlich scheinen wir Informationen zu unserem näheren sozialen Umfeld im Gedächtnis unter einer einzigen Beziehungskategorie abzuspeichern und ebenso abzurufen. Dieses Fazit ziehen die Autoren einer Studie um Samantha Deffler von der amerikanischen Duke University. Sie befragten in fünf Online-Untersuchungen insgesamt mehr als 1800 Probanden unter anderem, ob und wenn ja von wem sie schon einmal falsch angesprochen worden waren.

Hunde scheinen den Kindern näher zu sein als Katzen

 Typischerweise waren die Verwechsler Familienmitglieder, oft wurde statt des echten Namens der eines Geschwisterkindes genannt. Wenn Haustiere erwähnt wurden, waren es interessanterweise überwiegend Hunde. Katzen beispielsweise tauchten nicht auf, obwohl unter den Teilnehmern ungefähr ebenso viele Katzen- wie Hundehalter waren. Die Autoren schließen daraus auf einen anderen Stellenwert von Hunden in der Familie, die demnach eher als "kindhaft" empfunden werden als andere Haustiere.

Einschränkend geben die Forscher zu, dass die Ergebnisse ihrer Untersuchung auf den geschilderten Erinnerungen der Teilnehmer beruhen, also nicht objektiv gemessen wurden. Sie empfehlen, bei künftigen Studien mit Tagebüchern zu arbeiten, in denen die Probanden zeitnah und exakt beschreiben, wer zu welcher Gelegenheit wie fälschlich angesprochen wurde.

EMT

Samantha Deffler u. a.: All my children: The roles of semantic category and phonetic similarity in the misnaming of familiar individuals. Memory and Cognition, 2016. DOI: 10.3758/s13421-016-0613-z (Abstract)

Dieser Beitrag ist in leicht veränderter Form in der Ausgabe 12/2016 von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Heimat finden". Weitere Meldungen zu interessanten aktuellen Studien finden Sie im Heft unter anderem in den Rubriken Themen & Trends sowie Körper & Seele.

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