Ach damals, bevor die Kippen kamen!

12. Mai 2017
 

Um Raucher zum Aufhören zu bewegen, setzt der Gesetzgeber vor allem auf Abschreckung, etwa durch die berüchtigten „Ekelbilder“ auf Zigarettenpackungen. Die Wirksamkeit dieser Strategie ist jedoch unter Experten umstritten. Manche befürchten, dass Raucher die Furcht und die Schuldgefühle, die solche Fotos unterschwellig hervorrufen, erst mal mit einer Kippe bekämpfen.

Zwei Kommunikationswissenschaftler der Michigan State University haben daher nun bei 169 jungen Raucherinnen und Rauchern einmal die entgegengesetzten Strategie ausprobiert: Ali Hussain und Maria Lapinski zeigten der Hälfte der Probanden ein kurzes Video, mit dem sie nostalgische Erinnerungen an früher weckten. Zu sehen sind Kindheitsszenen, zu denen die Stimme aus dem Off schwärmt: „Ich vermisse die Einfachheit des Lebens, einfach draußen herumzustreunen an einem warmen Sommerabend.“ Doch dann – Schnitt! – schildert der Erzähler, wie er erstmals mit Zigaretten in Kontakt kam.

Die Probanden, die diesen Spot sahen, hatten hernach zwar nicht häufiger die Absicht, nun das Rauchen aufzugeben, als jene Vergleichspersonen, denen stattdessen ein Clip über einen Ölwechsel am Auto präsentiert worden war. Dennoch hatte der nostalgische Ausflug insbesondere bei den Frauen einen Effekt: Die negative Einstellung gegenüber dem Rauchen wurde verstärkt, und dies wiederum bestärkte die Aufhörabsicht. Ob das einige auch taten, blieb allerdings offen.

Thomas Saum-Aldehoff

Syed A. Hussain, Maria K. Lapinski: Nostalgic emotional appeals for smoking prevention. Communication Research Reports, 34/1, 2017, 48–57. DOI: 10.1080/08824096.2016.1235557

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