Männer sind anders, Frauen auch

22. Februar 2013
 

Männer sind vom Mars und Frauen von der Venus? Frauen können nicht einparken und Männer nicht zuhören? Von wegen! Jetzt widerlegt eine Studie, was uns populäre Sachbücher einst weismachen wollten. Das Fazit der Untersuchung: Männer und Frauen sind keineswegs so unterschiedlich, dass sie von verschiedenen Planeten stammen könnten. Nein, sie sind vielmehr alle Bürger unserer Erde.

Der Psychologe Harry Reis von der University of Rochester und seine Doktorandin Bobbi Carothers (jetzt an der Washington University) haben 13 Studien zu Geschlechtsunterschieden einer erneuten Analyse unterzogen. Darin ging es unter anderem um das Verhalten in Beziehungen, um Intimität und Sexualität, aber auch um Persönlichkeitsmerkmale wie Offenheit oder Verträglichkeit. Auch eigene Daten haben die Forscher erhoben. Insgesamt kamen so Angaben über 122 verschiedene Charakteristika bei mehr als 13.000 Personen zusammen.

In der Auswertung zeigten sich zwar Unterschiede zwischen den Geschlechtern – allerdings bei körperlichen Eigenschaften wie der Größe oder dem Gewicht. Auch das Interesse für manche Themen, etwa Boxen oder Kosmetik, differiert deutlich zwischen Männern und Frauen. Aber für die Mehrheit der psychologischen Merkmale offenbarte sich eine große Ähnlichkeit der beiden Geschlechter.

„Die Geschlechtszugehörigkeit sagt nicht annähernd soviel über die einzelnen Personen aus, wie man aufgrund der gängigen  Stereotype denken würde“, erklärt Bobbi Carothers. Bei beiden Geschlechtern gibt es zum Beispiel sowohl sehr einfühlsame als auch wenig empathische Zeitgenossen. Doch im Gegensatz zu den körperlichen Merkmalen finden sich bei der Eigenschaft „Empathie“ nicht die Männer an einem Ende des Spektrums und die Frauen am anderen Ende. Vielmehr überlappen sich die Messwerte für beide Geschlechter in erheblichem Maß. So gebe es bei einzelnen Merkmalen zwar durchaus Mittelwertsunterschiede zwischen Männern und Frauen, diese seien aber so klein, dass sie nicht zur Bildung von einheitlichen Geschlechterkategorien taugen würden, so die Forscher.

Vor allem im Beziehungsalltag griffen viele immer wieder auf Stereotype zurück, um Verhaltensweisen ihres Partners oder ihrer Partnerin zu erklären. „Bei Problemen in der Beziehung suchen die Betroffenen oft die Schuld beim Geschlecht des Partners“, sagt Harry Reis. „Doch das hält sie davon ab, ihre bessere Hälfte als Individuum zu sehen – und kann sogar Veränderungen erschweren. Denn was als gegeben angesehen wird, kann nur schwer verändert werden. Nach dem Motto: Warum sollte ich überhaupt versuchen, an mir zu arbeiten?“ Egal, wie seltsam Ihnen Ihr Partner also manchmal vorkommt – sein Geschlecht ist vermutlich nur der kleinste Teil des Problems. 

Anke Bruder

Quelle: University of Rochester via Newswise

Originalartikel: Bobbi J. Carothers, Harry T. Reis: Men and women are from Earth: Examining the latent structure of gender. Journal of Personality and Social Psychology, Vol 104(2), Feb 2013, 385-407. doi: 10.1037/a0030437

Lesen Sie dazu auch unseren Artikel „Männer sind vom Mars, Frauen auch“ (Psychologie Heute, 6/2011): http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/maenner_sind_vom_mars_frauen_auch/

Hier erklärt Professor Harry Reis seine Forschungsergebnisse im Video (auf Englisch):

http://www.youtube.com/watch?v=WDMHoXN4d9c&feature=player_embedded

 

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