Am Wochenende sind wir glücklich

15. Januar 2010
 

Eine Studie bestätigt jetzt, was wir jede Woche aufs Neue erleben: Am Wochenende geht es Menschen deutlich besser als an Arbeitstagen. Von Freitagabend bis Sonntag sind wir gehobener Stimmung, fühlen uns lebendiger und werden weniger von Wehwehchen geplagt als unter der Woche. Das gilt für Bauarbeiter genauso wie für Sekretärinnen, Ärzte oder Rechtsanwälte.

„Berufstätige – selbst solche mit interessanten, angesehenen Jobs – sind am Wochenende glücklicher“, fasst Richard Ryan das Ergebnis seiner Studie zusammen, die er gemeinsam mit Kollegen von verschiedenen Universitäten in den USA durchführte. „Unsere Erkenntnisse zeigen, wie wichtig Freizeit für das Wohlbefinden jedes Einzelnen ist“, sagt Ryan, der an der University of Rochester Psychologie unterrichtet.

Die Probanden der Studie waren zwischen 18 und 62 Jahre alt und arbeiteten mindestens 30 Stunden die Woche. Drei Wochen lang führten sie eine Art Tagebuch, in das sie dreimal täglich eintrugen, was sie gerade taten, wie sie sich dabei fühlten und wie gestresst sie waren. Ebenso hielten sie körperliche Anzeichen von Stress fest, etwa Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme oder Erschöpfung.

Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: Sowohl Frauen als auch Männer fühlten sich am Wochenende besser – geistig und körperlich. Und das unabhängig davon, wie viel sie verdienten, wie viele Stunden sie arbeiteten, wie gebildet und in welchem Bereich sie tätig waren. Auch Familienstand und Alter spielten keine Rolle.

An den Wochenenden fühlten sich die Probanden außerdem deutlich selbstbestimmter und freier. Sie empfanden eine größere Nähe und Verbundenheit zu den Menschen, mit denen sie zusammen waren. Und überraschenderweise nahmen sich die Teilnehmer bei ihren Wochenendaktivitäten als kompetenter wahr als in ihren Jobs.

Ryan und seine Kollegen glauben, dass darin der Schlüssel zum Verständnis der besseren Stimmung an den Wochenenden liegt: Nach der sogenannten Selbstbestimmungstheorie (self-determination theory), die Ryan gemeinsam mit Edward Deci entwickelte, hängt das Wohlbefinden von Menschen zu großen Teilen davon ab, ob sie ihre Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Verbundenheit verwirklichen können.

Und das sei nun mal an den Wochenenden besser möglich, so Ryan. Bei der Arbeit müsse man sich dagegen äußeren Zwängen unterwerfen, sich dem Zeitdruck beugen und sein Verhalten den jeweiligen Gepflogenheiten anpassen. Manche müssten außerdem ihre Zeit mit Kollegen verbringen, mit denen sie nichts verbinde.

„Menschen sollten ihre Wochenenden nicht mit Mehrarbeit belasten, denn sie bieten die Gelegenheit, sich mit lieben Menschen zu treffen, eigene Interessen zu verfolgen und zu entspannen – all dies sind grundlegende psychologische Bedürfnisse“, rät Ryan.

Von Anke Römer Quelle: EurekAlert

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