Autismus früh erkennen
Autismus kann bei Kindern schon früher diagnostiziert werden, als bisher angenommen. Das haben Wissenschaftler des Kennedy Krieger Institute in Baltimore (USA) jetzt herausgefunden. In ihrer aktuellen Studie haben sie Kleinkinder im Alter zwischen 14 Monaten und 3 Jahren untersucht. Ihr Fazit: An bestimmten Verhaltensweisen kann man sogar schon bei 14 Monate alten Babys erkennen, ob sie an Autismus leiden.
Studienleiterin Rebecca Landa und ihr Team haben die soziale und kommunikative Entwicklung von 125 Kindern beobachtet. 107 von ihnen hatten ein autistisches Geschwister, also ein erhöhtes genetisches Erkrankungsrisiko, 18 der Kinder waren ohne besonderes Risiko.
Die Forscher haben die Kinder vom 15. Lebensmonat bis zu ihrem dritten Geburtstag wiederholt untersucht. Es stellte sich heraus: Die Hälfte der Kinder, die am Ende dieser Phase die endgültige Diagnose Autismus erhielten, war bereits im Alter von 14 Monaten auffällig geworden, die anderen im Zeitraum danach.
Folgende Anzeichen für eine autistische Erkrankung haben die Wissenschaftler identifiziert:
Fehlende Kontaktaufnahme zu anderen: Anstatt mittels Lauten, Gesten und Blickkontakt Hilfe einzufordern, zum Beispiel um an einen Gegenstand außer Reichweite heranzukommen, probieren es autistische Kinder selbst oder lärmen herum.
Eingeschränkte Fähigkeit, Erlebnisse mit anderen zu teilen: Die Kinder folgen nicht den Animierungen ihrer Eltern, zum Beispiel wenn diese auf bestimmte Gegenstände zeigen, und fordern auch selbst nicht die Aufmerksamkeit der Eltern ein.
Auffälligkeiten beim Umgang mit Spielzeug: Autistische Kinder verwenden Spielzeug anders als vorgesehen. Zum Beispiel imitieren sie mit einer Plastikgabel nicht zu essen, sondern schlagen damit immer wieder auf den Tisch, lassen sie fallen oder Ähnliches.
Geringere Vielfalt in den Äußerungen: Autistische Kinder verwenden weniger Laute, Wörter und Gesten zur Kommunikation als gesunde Kinder.
Noch gibt es keine veröffentlichten standardisierten Kriterien für die Diagnose von Autismus bei so jungen Kindern. Die Forscher arbeiten jedoch daran und empfehlen in der Zwischenzeit, bei Verdacht sofort den Kinderarzt anzusprechen. Keinesfalls solle man dem verbreiteten Rat für verunsicherte Eltern folgen, erst einmal abzuwarten. Häufig vergingen dann bis zu sechs Jahre, bis die Diagnose schließlich gestellt werde. Dadurch gehe wertvolle Zeit verloren, in der man durch gezielte Intervention den Kindern bei der maximalen Entfaltung ihrer Möglichkeiten helfen könne.
Von Anke Römer
Quelle: Kennedy Krieger Institute
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