Beziehungen schützen vor Stress

12. Oktober 2010
 

Spaziergänge am Sonntag, gemeinsame Abende auf der Couch: Wer verheiratet ist, der frönt meist einer stabilen Lebensweise. Das Eheleben gilt deshalb allgemein als gesundheitsförderlich. Eine Studie aus den USA zeigt nun, dass Verheiratete außerdem weniger anfällig für psychischen Stress sind als Singles. Auch Unverheiratete, die in einer festen Beziehung leben, profitieren von dem Effekt. Dario Maestripieri und sein Team von der University of Chicago haben gemeinsam mit Forschern von der Northwestern University 500 Studenten auf ihre Stressresistenz hin untersucht. Die Probanden sollten eine Reihe von Computerspielen absolvieren, mit denen angeblich ihre Geschicklichkeit getestet werden sollte. Etwa 40 Prozent der männlichen und 53 Prozent der weiblichen Studenten waren verheiratet oder fest gebunden.

Den Studentinnen und Studenten erzählten die Forscher, dass sich anhand der Spielergebnisse Aussagen über ihre zukünftigen Karrierechancen treffen ließen. Dies machte den Versuch zu einer recht stressigen und aufreibenden Angelegenheit. Jeweils vor und nach den Computerspielen wurden den Teilnehmern Speichelproben entnommen, um ihren Stresshormonspiegel zu bestimmen.

Die weiblichen Probanden reagierten auf den Spielstress zwar mit einer stärkeren Zunahme des Stresshormons Kortisol als ihre männlichen Mitstreiter. Bei den Männern stellten die Forscher aber auch einen Anstieg des Testosterons fest, ein bei Menschen und Tieren bekannter Stresseffekt.

Entscheidend für das Ausmaß der Stressreaktion war allerdings, ob die Probanden einen festen Partner hatten oder nicht: „Nicht gebundene Teilnehmer beider Geschlechter wiesen höhere Kortisolspiegel auf als verheiratete oder in einer festen Beziehung lebende Teilnehmer“, berichtet Maestripieri.

Gebundene Menschen sind also offenbar weniger anfällig für psychischen Stress als Singles. Eine feste Partnerschaft scheint einen kortisoldämpfenden Effekt zu haben, der sich besonders im Umgang mit psychischem Stress positiv auswirkt. Eine Beziehung könne zwar auch stressig sein, gibt Maestripieri zu. Aber wahrscheinlich mache gerade die Erfahrung des Beziehungsstresses es den Menschen leichter, in anderen Bereichen mit Stress umzugehen.

Von Anke Römer

Quelle: The University of Chicago Booth School of Business

Diesen Artikel:

Neu im Shop

Sex@mour - Jean-Claude Kaufmann

Jean-Claude Kaufmann und Eva Illouz beleuchten den Wandel unseres Liebeslebens. Uneins sind sie in der Frage, ob wir in Zeiten des Internets eine neue Ethik brauchen.

19,99 €inkl. 7% MwSt.
Anzeige
Anzeige

Aboservice

Jahres-, Studenten- oder Geschenkabo: Sie wählen Ihr Abonnement – wir bieten interessante Prämien! Zum Abo-Shop.