Beziehungsstress dank Smartphone

16. Oktober 2015
 

Nur mal kurz aufs Handy schauen – das ist doch kein Problem, oder? Tatsächlich können auch solche kleinen Ablenkungen die Zufriedenheit mit der Beziehung beeinträchtigen. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine Studie aus den USA. Wer in Gesellschaft des Partners ständig das Smartphone zückt, signalisiert: Du bist gerade nicht das Wichtigste für mich.

Schon mal von Phubbing gehört? Dieser englische Begriff ist die Kurzform von Phone snubbing, was etwa so viel bedeutet, wie andere durch die Nutzung eines Mobiltelefons zu brüskieren. Unter Phubbing fällt beispielweise, das Smartphone auch in Gesellschaft so hinzulegen, dass man es immer im Blick hat, das Gerät während einer Unterhaltung in die Hand zu nehmen, es in Gesprächspausen zu bedienen oder auf sein Display zu schauen.

Zwar gehört es auch im mobilen Zeitalter nach wie vor zum guten Ton, einem Gegenüber stets die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Trotzdem ist wohl jeder von uns schon einmal gephubbt worden. Kommt so ein Verhalten nur gelegentlich vor, können die meisten von uns gelassen darüber hinwegsehen. Häuft es sich hingegen, fühlt sich mancher ob der fehlenden Aufmerksamkeit seines Gesprächspartners gekränkt oder zumindest nicht sonderlich respektiert.

Betrifft das Phubbing Beziehungspartner spricht man laut James A. Roberts und Meredith E. David von Pphubbing – Partner Phone Snubbing. Die beiden Wissenschaftler von der amerikanischen Baylor University haben sich jüngst in einer Studie mit diesem Phänomen beschäftigt. Ihre These: Häufiges Pphubbing wird als Zeichen von Missachtung empfunden und beeinträchtigt die Zufriedenheit mit der Beziehung, was sich wiederum negativ auf das Wohlbefinden des Einzelnen auswirkt.

Zusammenhang zwischen Pphubbing und Zufriedenheit mit der Beziehung

Zur Überprüfung ihrer Annahmen entwickelten die Forscher einen Pphubbing-Fragebogen, den sie später 145 Probanden neben einer Reihe anderer Fragen vorlegten. Dabei stellten sie fest, dass ängstlich gebundene Teilnehmer – also solche, die aufgrund großer Selbstunsicherheit ein hohes Maß an Bestätigung von außen benötigen – sich stärker durch Pphubbing beeinträchtigt fühlten als sicher gebundene. Beide Gruppen waren unzufriedener mit der Beziehung, wenn das Ausmaß des Pphubbing groß war, und das wirkte sich wiederum negativ auf die Lebenszufriedenheit aus.

Roberts und David schließen daraus, dass eine zu große Beschäftigung mit dem Smartphone Partnerschaften tatsächlich verkomplizieren kann. Ihre Untersuchung zeigt allerdings nur, dass es einen Zusammenhang zwischen Pphubbing und Beziehungszufriedenheit gibt, aber nicht, welcher Art dieser ist. Möglich ist also auch, dass Menschen, die mit ihrer Verbindung unzufrieden sind, einfach häufiger zum Smartphone greifen, wenn ihr Partner zugegen ist. Vernachlässigt wurden in der Studie zudem mögliche Einflussfaktoren wie die Dauer des Zusammenseins, und es wurde auch nur ein Partner, nicht beide, befragt.

Gelingt es einer Person partout nicht, das Smartphone wegzustecken, wenn sie Zeit mit dem oder der Liebsten verbringt, und hat sie trotz wiederholter Kritik keinerlei Bedürfnis nach digitaler Abstinenz in gemeinsam verbrachten Stunden, empfiehlt es sich, darüber nachzudenken, warum sie so empfindet. Wer lieber per Touchscreen in die Ferne schweift, als die Nähe des Menschen zu genießen, der ihm direkt gegenüber sitzt, fühlt sich diesem womöglich einfach nicht besonders eng verbunden – oder benötigt doch mehr Zeit mit anderen.

Eva-Maria Träger

James A. Roberts, Meredith E. David: My life has become a major distraction from my cell phone: Partner phubbing and relationship satisfaction among romantic partners. Computers in Human Behavior, 54, 2015, 134 – 141. DOI: 10.1016/j.chb.2015.07.058 (Abstract)

 

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