Bloß kein Stress mit dem Stress!

03. Juni 2016
 

Immer mit der Ruhe – das ist ein Rat, den wir besonders in anstrengenden Zeiten befolgen sollten. Denn Stress ist auch Ansichtssache: Wer Belastungen gelassen begegnet, fühlt sich selbst bei starkem Druck weniger schlecht.

"Lass dich nicht stressen", gibt man einander vor einem anstrengenden Tag auf den Weg. Soll heißen: Auch wenn es turbulent zugeht, lass die Hektik von dir abperlen (siehe auch Titelthema Heft 06/2016). Das ist natürlich leichter gesagt als umgesetzt. Dennoch: Der Rat hat was für sich, wie jetzt auch eine amerikanische Studie bekräftigt.

Nancy Sin und ihrem Team von der Pennsylvania State und der Columbia University diente die "Herzfrequenzvariabilität" dabei als einfach zu erfassendes Maß dafür, inwieweit ein Mensch "sich stressen lässt". Ein niedriger Wert weist darauf hin, dass das autonome Nervensystem nicht mehr flexibel je nach Situation zwischen Aufregung und Ruhe hin und her schalten kann. Es ist dann unentwegt in Habachtstellung, was sich psychisch in chronischer unterschwelliger Anspannung niederschlägt. Langfristig hat sich dies als Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen herausgestellt.

Sin und ihre Kollegen befragten 909 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über gut eine Woche hinweg täglich per Telefon, ob und wie viele stressige Begebenheiten sie an diesem Tag durchlebt und wie sie sich dabei gefühlt hatten. Wütend? Traurig? Nervös? Und wenn ja: Wie intensiv war die Emotion?

Es stellte sich heraus: Diejenigen Probanden, die über eine Menge stressiger Vorfälle berichteten, waren nicht notwendigerweise diejenigen mit der geringsten Herzfrequenzvariabilität – wohl aber diejenigen, die solche Vorkommnisse als sehr belastend empfanden, begleitet von starken aversiven Emotionen. "Die Ergebnisse sagen uns, dass die Wahrnehmung und emotionale Reaktion eines Menschen wichtiger sind als das stressige Geschehen selbst", kommentiert Nancy Sin.

TSA/ EMT

Nancy L. Sin u. a.: Linking daily stress processes and laboratory-based heart rate variability in a national sample of midlife and older adults. Psychosomatic Medicine, 78/5, 2016, 573–582. DOI: 10.1097/PSY.0000000000000306 (Abstract)

Dieser Beitrag ist in etwas anderer Form in der Ausgabe 06/2016 von Psychologie Heute erschienen, Titelthema "Drüber stehen". Weitere Meldungen zu interessanten aktuellen Studien finden Sie im Heft unter anderem in den Rubriken Themen & Trends sowie Körper & Seele.

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