„Da postet wieder dieser Extravertierte!“

02. Januar 2015
 

Wer auf Facebook postet, hinterlässt sprachliche Spuren, die anderen Nutzern einen Eindruck von der Persönlichkeit dieses Menschen vermitteln. Bei manchen Eigenschaften ist dieser Eindruck sogar ziemlich zuverlässig.

Forscher der Universität Kansas um Jeffrey Hall baten 100 Facebook-Nutzer, einen Persönlichkeitsfragebogen auszufüllen. Anschließend surften sich 35 Versuchspersonen, die nicht mit diesen 100 Nutzern bekannt waren, für jeweils 10 bis 15 Minuten durch deren Facebook-Auftritt. Dabei sollten sie sich einen Eindruck von der Persönlichkeit des Menschen machen, der sich dort präsentierte.

Extraversion war der Persönlichkeitszug, den die Laiencharakterologen am leichtesten und zuverlässigsten identifizierten. Extravertierte Menschen sind gesellig, gesprächig und in der Gruppe gerne mal tonangebend. Auf Facebook waren extravertierte Frauen und Männer unter anderem an der überdurchschnittlichen Zahl von „Freunden“ zu erkennen, die ihnen dort folgten. Auch posteten sie bevorzugt positive Dinge (was ins Bild passt, denn extravertierte Menschen verbreiten auch im Alltag gerne gute Laune). Außerdem fielen sie durch ihre Vorliebe auf, Wörter per Vokalvermehrung etwas wichtigtuerisch in die Länge zu ziehen, etwa noooooo oder heeeeey.

Verträglichkeit und Offenheit für Neues waren ebenfalls Persönlichkeitsmerkmale, die anhand des Facebook-Auftritts gut zu erkennen waren. Verträgliche – also hilfsbereite und bescheidene – Menschen posteten generell seltener, wohl weil sie sich selbst nicht so wichtig nahmen. Offene Personen, die das gesellschaftliche und kulturelle Geschehen um sie herum mit großem Interesse verfolgen, gefielen sich darin, politische Statements in die Runde zu werfen.

Hingegen taten sich die Beurteiler in der Studie schwer, anhand Facebook die Persönlichkeitszüge „Gewissenhaftigkeit“ (Selbstdisziplin, Ordnung) sowie „Neurotizismus“ (emotionale Belastbarkeit) zu taxieren. Auch hatte die Anzahl der „Likes“, also die Zustimmung, die eine Wortmeldung bei anderen Facebook-Nutzern fand, überraschenderweise kaum Informationswert bei der Beurteilung der Persönlichkeit.

Seit einiger Zeit schon nutzen psychologische Forscher Facebook als unerschöpfliche Datenquelle – auch zu der Frage, welche Sprach- und Ausdrucksmuster charakteristisch für bestimmte Persönlichkeitszüge oder Entwicklungsphasen sind. Mehr dazu im Februarheft von Psychologie Heute, das am 14. Januar in den Handel kommt.

Thomas Saum-Aldehoff

Quelle: KU News Service via EurekAlert
Originalarbeit:
Jeffrey Hall, Natalie Pennington, Allyn Lueders: Impression management and formation on facebook: a lense model approach. New Media & Society, 16/6, 2014, 958–982

 

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