Das Leben als Spiel

16. September 2016
 

Wer seinen Alltag spielerisch gestaltet, kann innerlich stärker werden und schwierige Lebenssituationen besser bewältigen. Doch wie geht das? Zum Beispiel, indem man diese fünf spielerischen Ideen für mehr Selbstvertrauen umsetzt.

"Im Alltag kommen wir mit widrigen Umständen gelegentlich besser zurecht, wenn wir sie weniger ernst nehmen", sagt Willibald Ruch. Der Professor für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik forscht an der Universität Zürich zu Humor. Eine Figur, an der wir uns dabei ein Beispiel nehmen können, ist der Clown. Er ist Profi darin, ständig vor neuen Problemen zu stehen, in Fettnäpfchen zu tappen, grandios zu scheitern – und trotzdem nie seine Zuversicht zu verlieren. Sein Selbstvertrauen ist unerschütterlich. Fällt er auf die Nase, schaut er verdutzt drein, rappelt sich wieder auf und kann herzlich über sich selbst lachen.

"Der Clown repräsentiert den unverletzten Teil unserer kindlichen Naivität", meint Michael Stuhlmiller, der in Mainz eine Clownschule leitet. In Seminaren lehrt er seine Schüler mit Hilfe von Denk-, Atem- und Körperübungen, die Welt aus den Augen eines Clowns zu betrachten, also öfter mal die Blickrichtung zu wechseln und den Witz in der Krise zu entdecken, dabei aber immer die innere Balance zu wahren. Über seine selbst entwickelte "Clownmethode" hat Stuhlmiller das Buch Die Kunst des spielerischen Scheiterns geschrieben (Kailash 2016). Daraus und aus Jane McGonigals Gamify your life stammen die folgenden Tipps – einfache Übungen, die zufrieden und stark machen sollen.

1. Staunen Sie

Eine der wichtigsten Eigenschaften des Clowns: Beim Staunen genießt er den Augenblick. So bleibt er entspannt und erwartungsvoll, auch in schwierigen Situationen. Kinder machen das ganz automatisch, wir Erwachsene können es wieder lernen. Michael Stuhlmiller empfiehlt als Übung, einen Gegenstand in der Nähe staunend zu betrachten und dabei über den Vokal „A“ einzuatmen. Die Brust weitet sich, das Gesicht fängt an zu strahlen. Probieren Sie auch die Vokale "O" und "I" aus.

2. Treffen Sie Vorhersagen

Vorhersagen zu treffen sei eines der zuverlässigsten Mittel, das Belohnungszentrum zu aktivieren, sagt Jane McGonigal. Sie fordert daher dazu auf, öfter einmal etwas Beliebiges vorherzusagen, zum Beispiel den Gewinner eines Fußballspiels oder die Menge der eingehenden E-Mails an einem Nachmittag. Voraussetzung: Das Resultat sollte innerhalb der nächsten 24 Stunden überprüfbar sein. Egal, ob man falsch oder richtig liegt: Neugier und Aufmerksamkeit würden angeregt, so McGonigal.

3. Beschreiben Sie einen Helden

"Versuchen Sie, Eigenschaften aufzulisten, die viele, wenn nicht sogar die meisten Superhelden aufweisen", rät Jane McGonigal. Schon durch das bloße Nachdenken darüber färbe ein wenig von dem Helfdenhaften auf uns ab. Der Grund: Wir vergleichen uns selbst automatisch mit diesen bewundernswerten Menschen, legen unseren Fokus auf das, was wir mit den Helden gemein haben, und wollen uns dann auch entsprechend verhalten.

4. Lernen Sie fallen

Ein Clown ist darauf vorbereitet, zu stolpern und zu fallen. Das lässt sich auf das Leben übertragen: "Für uns ist das Kippen ein optimales Krisentraining", sagt Michael Stuhlmiller. So könnten wir einen festeren Standpunkt bewahren. Die Kippübung: Legen Sie sich auf einen bequemen Untergrund, kommen Sie mit dem Oberkörper etwas hoch und ziehen gleichzeitig die Beine an. Nun wippen Sie locker hin und her und loten den Kipppunkt aus. Wenn Sie umfallen, haben Sie die eigene Führung verloren.

5. Nehmen Sie eine geheime Identität an

Ein eigenes Heldenpseudonym inspiriert und hebt die individuellen Stärken hervor, meint Jane McGonigal. Sie wurde während ihrer Erkrankung zur "Gehirnerschütterungsjägerin". Geben Sie sich selbst solch einen Namen und notieren Sie Ihre besonderen Fähigkeiten. Wenn im Alltag Hürden aufkommen, denken Sie an Ihren Superheldenstatus – und die Kraft kehrt zurück.

Nele Langosch

Mehr zum Thema erfahren Sie in dem Beitrag "Nur nicht so ernst!", der im Heft 10/2016 von Psychologie Heute erschienen ist. Das Titelthema der Ausgabe lautet: "Das stille ich: Warum Zurückhaltung oft ein Vorteil ist".

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