Das Unbehagen nach dem Urlaub

21. August 2009
 

„Au weia, morgen geht die Tretmühle wieder los!“ – Die Rückkehr an den Arbeitsplatz nach einem langen, schönen Sommerurlaub ist für viele Beschäftigte eine einzige Qual. Zurück am papierübersäten Schreibtisch, haben sie das Gefühl, dass ihnen alles über den Kopf wächst. Tagelang fühlen sie sich leer und antriebslos, bis sie sich ganz allmählich wieder eingearbeitet haben.

Schätzungsweise 35 Prozent der Arbeitnehmer haben nach den Ferien ernsthafte Eingewöhnungsschwierigkeiten, die mit physischen und psychischen Symptomen einhergehen. Experten sprechen vom „Post-Holiday-Syndrom“: Die Betreffenden fühlen sich träge, müde, benommen, es mangelt ihnen an Appetit und Konzentration, das Herz klopft und die Muskeln schmerzen. Sie sind gereizt, ängstlich, niedergeschlagen. Am schwersten erträglich aber ist die Antriebs- und Interesselosigkeit, dieses tiefe Gefühl der Leere.

Um das Post-Holiday-Syndrom zu mildern oder gar nicht erst aufkommen zu lassen, empfehlen Experten, sich selbst nach der Rückkehr aus dem Urlaub eine Zeit der Wiedereingewöhnung zu gewähren, um sich nicht Knall auf Fall, sondern Schritt für Schritt wieder in den Rhythmus des Arbeitsalltags zu begeben:

• „Um dem Blues nach dem Urlaub erst überhaupt keine Chance zu geben, ist es beispielsweise wichtig, nicht direkt vom Flughafen an den Schreibtisch zu hetzen“, rät der Psychologe und DAK-Berater Frank Meiners. „Zwei oder drei freie Tage sollten schon zwischen Urlaubsende und Arbeitsbeginn liegen. Im Idealfall beginnt man an einem Mittwoch oder Donnerstag, damit das Wochenende nicht zu weit entfernt ist.“

• Die freien Tage zwischen der Rückkehr aus dem Urlaub und dem Arbeitsbeginn sollte man nutzen, um seinen Biorhythmus wieder an den Alltag daheim anzugleichen: Schluss mit dem Spät-zu-Bett-Gehen, Siesta wieder einstellen!

• Stürzen Sie sich nicht gleich wie ein Besessener in die Arbeit. Legen Sie immer wieder kleine Pausen ein. „Das senkt den Stresspegel erheblich“, so Meiners.

• Nehmen Sie ein Stück Urlaubsgefühl und Erholung mit zur Arbeit: Dekorieren Sie den Schreibtisch mit ein paar Muscheln oder einem Souvenir, wählen Sie ein Urlaubsfoto als Bildschirmhintergrund für den Computer.

• Auch manche liebgewonnenen Gewohnheiten aus den Ferien lassen sich in den Alltag integrieren. Gehen Sie in der Mittagspause zum Griechen oder zum Spanier und bestellen Sie Ihr Urlaubsgericht (oder holen Sie es sich im Supermarkt). Lesen Sie bei der Heimfahrt in der Bahn den Schmöker, mit dessen Lektüre Sie am Pool begonnen haben. Und nicht nur am Strand lässt es sich prima joggen!

• Überlasten Sie sich nicht – aber schenken Sie Ihrem vorübergehenden Nachferienblues auch nicht übermäßig viel Beachtung, rät die spanische Psychologin Humbelina Robles Ortega von der Universität Granada. Man kann sich da auch in sein Leid hineinsteigern! Versuchen Sie, den Arbeitsalltag „als einen neuen Zeitabschnitt zu sehen, der ebenfalls schöne Momente bereithält“, so die Psychologin. Am besten, man nimmt sich schon vor Arbeitsbeginn an den kommenden Wochenenden gezielt etwas Nettes vor.

• Die Wiedereingewöhnung fällt meist umso schwerer, je länger man dem Arbeitsplatz ferngeblieben war. Deshalb empfiehlt Robles Ortega: Lieber mehrere kurze Urlaube einlegen als einen langen, besser zweimal zwei Wochen als einmal vier. Eine solche Stückelung hat überdies den psychologischen Vorteil, dass einem der Gesamturlaub dann subjektiv länger vorkommt!

Quelle: DAK, EurekAlert

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