Der Blues nach dem Akt

01. April 2011
 

Warum die Franzosen das ekstatische Geschehen des Orgasmus den „kleinen Tod“ (le petit mort) nennen, bleibt ihr Geheimnis. Was, bitteschön, soll daran todähnlich sein? Doch so ganz daneben liegt die Wendung offenbar nicht: Für manche hinterlässt der körperlich-emotionale Aufruhr tatsächlich eine bedrückende Leere. Forscher sprechen von „postkoitaler Dysphorie“: negative Gefühle, die einem ansonsten „befriedigenden“ sexuellen Austausch auf dem Fuß folgen. Eine von drei jungen Frauen kennt diesen Zustand, wie australische Forscher jetzt in einer Umfrage ermittelten.

Robert Schweitzer und seine Kollegen von der Queensland University of Technology in Brisbane befragten 222 Studentinnen. 33 Prozent von ihnen hatten den Blues nach dem Höhepunkt schon einmal erlebt, jeder Zehnten ist es sogar während der vorangegangenen vier Wochen passiert. „Normalerweise“, so Schweitzer, „wird die Erholungsphase unmittelbar nach dem Sex von Wohlbefinden, von physischer und psychischer Entspannung bestimmt.“ Frauen, die einen postkoitalen Blues erlebten, blieb diese Gelöstheit verwehrt. Stattdessen berichteten sie von Melancholie, Traurigkeit, Angst, Reizbarkeit oder innerer Unruhe.

Die Ursachen für diesen Zustand sind unklar. „Allgemein wurde angenommen, dass Frauen, die in ihrer Biografie sexuelle Übergriffe erlebt haben, spätere sexuelle Begegnungen mit dem Trauma assoziieren, begleitet von Gefühlen wie Scham, Schuld, Bestrafung und Verlust“, sagt Schweitzer. Doch seine Studie stützt diese Theorie nicht. Zwar stießen die Forscher auf einen schwachen statistischen Zusammenhang zwischen Dysphorie und Missbrauchserfahrungen, doch das traf nur auf wenige der betroffenen Frauen zu. Auch „psychischer Stress“ bot keine hinreichende Erklärung.

Robert Schweitzer vermutet, dass andere Faktoren wie etwa eine biologische Veranlagung eine Rolle spielen könnten. Auch will er nun erforschen, ob und wie das Phänomen mit der Persönlichkeit, dem Selbsterleben und emotionalen Charakteristika der Frauen in Verbindung steht. Mit dem Partner hingegen scheint der emotionale Absturz nach dem Höhenflug weniger zu tun zu haben. „Ich brachte das Gefühl nicht mit einer Abwesenheit von Liebe oder Zuneigung gegenüber meinem jeweiligen Freund in Verbindung, noch umgekehrt mit einem Liebesmangel von deren Seite“, sagte einer der betroffenen Frauen. „Es fühlte sich so losgelöst von ihnen an.“

Quelle: ScienceDaily, Bild: Cinetext

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