Der schlaue Chef verteilt Geschenke

25. Juli 2007
 

Wer seine Mitarbeiter zu größerer Leistung anspornen möchte, sollte ihnen hin und wieder etwas schenken. Diesen Schluss legt eine Studie nahe, die jetzt beim Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn erschienen ist. Für das Experiment zahlte eine kanadische Firma ihren Arbeitern einen einmaligen Bonus – und zwar unabhängig von der zuvor erbrachten Leistung.

Am Tag des Geldgeschenks erhöhte sich die Produktivität der Mitarbeiter um mehr als zehn Prozent. Je länger ein Mitarbeiter schon bei der Firma beschäftigt war, desto andauernder entfaltete die Gratifikation eine positive Wirkung.

Die Autoren erklären ihr Ergebnis mit einem sehr menschlichen Wesenszug: Wem Gutes widerfährt, der versucht sich zu bedanken – frei nach dem Motto „Wie du mir, so ich dir“. Dass Menschen dazu tendieren, Geschenke zu erwidern, machen sich beispielsweise viele Hilfsorganisationen zunutze: Sie legen ihren Spendenaufrufen häufig Postkarten, kleine Kalender oder Christbaumschmuck bei. Die vergleichsweise geringen Kosten dafür sind gut investiert, denn bereits bei vier verschenkten Postkarten kann sich das Spendenaufkommen um mehr als die Hälfte erhöhen.

Ökonomen sprechen von „reziprokem Handeln“: Menschen erwidern freundliches oder faires Verhalten, auch wenn das für sie mit Kosten verbunden ist. Nur wenige Studien beleuchten bislang aber die Frage, ob reziprokes Verhalten auch im Arbeitsleben eine Rolle spielt. Wie reagieren die Mitarbeiter, wenn der Chef ihnen unerwartet einen Bonus auszahlt?

Dieser Frage sind Charles Bellemare und Bruce S. Shearer von der Universität Laval im kanadischen Québec als Forschungspartner des IZA nachgegangen. Für ihre Studie arbeiteten die Wissenschaftler mit einem kanadischen Aufforstungsbetrieb zusammen. Die Beschäftigten erhalten dort keinen Fixlohn, sondern werden nach der Menge der von ihnen gepflanzten Bäume bezahlt. In der Regel bekommen sie 20 Cent pro Baum; der durchschnittliche Tageslohn liegt bei 200 Dollar.

In dem Experiment kündigte nun der Manager seinen Mitarbeitern zu Beginn des Arbeitstages einen einmaligen Bonus von 80 Dollar an, den die Firma zahle, um die Beschäftigten an einem attraktiven Aufforstungsvertrag partizipieren zu lassen. Die so großzügig Beschenkten pflanzten daraufhin an diesem Tag gut zehn Prozent mehr Bäume. „Diese deutliche Produktivitätssteigerung ist besonders bemerkenswert, weil ein Akkordlohn ohnehin schon einen starken Leistungsanreiz darstellt“, erläutert Bellemare. „Es gibt also Grund zu der Annahme, dass der Effekt bei einem Fixlohn noch höher wäre.“

Auch am Folgetag pflanzten die beschenkten Arbeiter mehr Bäume als sonst; der Effekt fiel aber nur noch gering aus. Allerdings hielt die positive Wirkung bei Beschäftigten, die schon seit vielen Jahren für das Unternehmen tätig waren, nachweislich länger an. Hier fühlt sich der Mitarbeiter offenbar der Firma stärker verbunden, sodass das reziproke Verhalten stärker ausfällt.

Das Experiment zeigt allerdings auch, dass wirklich schlau nur der Chef ist, der seine Mitarbeiter nicht zu großzügig beschenkt. Denn im Fall des Aufforstungsbetriebs ging die Rechnung letztlich doch nicht auf: Der hohe Bonus sorgte trotz der Produktivitätssteigerung für ein Verlustgeschäft. Quelle: idw

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